Blog

31. Mai 1567 – Tag des Martyriums Guy de Brès

Die SERK ist eine bekennende Gemeinde. Das heißt nicht, wie ich nicht müde werde zu betonen, dass uns irgend etwas wichtiger ist (oder mehr Autorität hat) als die Heilige Schrift. Vielmehr bekennen wir als Kirche einmütig das, was die Heilige Schrift sagt. Der Glaube, der in unseren Herzen entzündet wurde durch die Verkündigung des Evangeliums unter Wirkung des Heiligen Geistes, muss auch seinen Weg finden als Bekenntnis unseres Mundes (vgl. Röm 10,9-10).

Zu unserem Bekenntnis gehört das Niederländische Glaubensbekenntnis (Confessio Belgica). Es wurde 1561 in den südlichen Niederlanden, dem heutigen Belgien verfasst von Guy De Brès. Die Niederlande waren zu der Zeit unter der eisernen Hand der Spanier, d.h. der römischen Kirche und der Inquisition.

Das Glaubensbekenntnis ist unter anderem eine Bittschrift an den spanischen König Philipp II., die Verfolgung der Reformierten aufzuheben, da sie kein aufrührerisches Volk seinen, sondern lediglich die Wahrheit – wie sie im Glaubensbekenntnis Ausdruck findet -glaubten und bekannten.

In der veröffentlichten Vorrede zum Glaubensbekenntnis lesen wir von der Bereitschaft der Unterzeichnenden, für die Wahrheit des Bekenntnisses Leid und Marter auf sich zu nehmen:

Aber wir danken unserm Gott, daß das Blut unsrer Brüder, vergossen für unsre Sache oder vielmehr für die Sache Jesu Christi und das Zeugnis der Wahrheit, bezeugt und daß Verbannung, Gefängnis, Folter, Vertreibung, Marter und andre unzählige Bedrückungen deutlich beweisen, daß unser Verlangen und unsre Forderung nicht fleischlich ist, da wir, ohne diese Lehre zu verteidigen, weit besser zu unsrer Gemächlichkeit leben könnten dem Fleische nach; aber indem wir die Furcht Gottes vor Augen haben und erschreckt sind durch diese Drohung Jesu Christi, der sagt, daß er uns vor Gott seinem Vater verleugnen wird, wenn wir ihn verleugnen vor den Menschen, so geben wir unsern Rücken den Schlägen hin, unsre Zunge dem Messer, unsern Mund dem Foltergebiß und unsern ganzem Leib dem Feuer, indem wir wissen, daß, wer Christo folgen will, sein Kreuz auf sich nehmen muß und sich selbst verleugnen.

In dieser Haltung, der Bereitschaft zum Leiden um der Wahrheit des Glaubens willen, reihen die Väter des reformierten Glaubens sich ein in die Reihe der Zeugen aus dem Hebräerbrief, von denen ja bekanntermaßen auch berichtet wird, sie…

…ließen sich martern und nahmen die Befreiung nicht an, um eine bessere Auferstehung zu erlangen und andere erfuhren Spott und Geißelung, dazu Ketten und Gefängnis; sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, sie erlitten den Tod durchs Schwert, sie zogen umher in Schafspelzen und Ziegenfellen, erlitten Mangel, Bedrückung, Mißhandlung; sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen, in Höhlen und Löchern der Erde. (Hebr 11,35-38)

Die Obrigkeit war durch das Bekenntnis nicht beeindruckt und verfolgte die Reformierten in den Niederlanden mit umso härterer Strenge.

Am 31. Mai 1567, heute auf den Tag vor 444 Jahren ereilte den Verfasser des Bekenntnisses, Pastor Guy De Brès, in der Vorsehung Gottes das Leid, zu dem er sich zusammen mit anderen in der genannten Vorrede bereit erklärt hatte.

Dieser Tag, zusammen mit dem 450. Jubiläum des Bekenntnisses in diesem Jahr, ist ein guter Anlass, dass wir uns fragen: wie wichtig ist uns die Wahrheit? Wie fest halten wir den Glauben, der »der den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist« (Jud 3)? Kein Mensch ist bereit, das Martyrium auf sich zu nehmen, weil er vage »an die Bibel« glaubt. Die Geschichte ist aber voll von Glaubenszeugen, die gemartert wurden, weil sie überzeugt waren, dass ihr Bekenntnis biblische Wahrheit ausdrückt, für die es sich zu sterben lohnt, ja für die das Sterben eine Pflicht und keine Option ist.

Könnte es nicht sein, dass Christen in Deutschland nicht deshalb weitestgehend in Ruhe gelassen werden, weil alle »so tolerant« sind, sondern eher deshalb, weil wir Christen nicht mehr auf die Wahrheit unseres christlichen Glaubensbekenntnisses beharren; weil wir nichts mehr bekennen, das für uns wirklich »unaufgebbar« ist; weil wir, wie es in der Vorrede negativ heißt, festgestellt haben, dass wir «ohne diese Lehre zu verteidigen, weit besser zu unsrer Gemächlichkeit leben könnten dem Fleische nach…«

Möge das nicht von uns gelten, sondern möge unser »Zeugnis der Wahrheit« eine eindeutige Sprache sprechen und Verfolgung, so sie denn eines Tages kommen möge – »Verbannung, Gefängnis, Folter, Vertreibung, Marter und andre unzählige Bedrückungen deutlich beweisen, daß unser Verlangen und unsre Forderung nicht fleischlich ist…«

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Bekenntnisse, Biografien, De Brès, Kirchengeschichte, Reformation. Lesezeichen dauerhaft abspeichern.

Comments are closed.