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Wir praktizieren in der SERK in jedem sonntäglichen Gottesdienst ein öffentliches und gemeinsames Sündenbekenntnis. Das ist, so der Genfer Reformator Johannes Calvin, die »ordentliche Beichte«. Ihr folgt dann die Absolution, d.h. die Zusage der Vergebung Gottes aus dem Mund des berufenen Dieners, des Pastors. Nun haben manche Christen Schwierigkeiten mit dem Konzept des Sündenbekenntnisses, da sie doch – so die Argumentation – auch zuhause und in jedem Gebet ihre Sünden bekennen (können). Richtig! Und doch hat das öffentliche, gemeinsame, gottesdienstliche Sündenbekenntnis noch einmal eine andere, vergewissernde Qualität. Calvin greift diese Bedenken auf und bezeichnet dieses Bekenntnis den »Schlüssel« und die »Tür zum Beten«:

Stellen wir uns doch in jeder heiligen Zusammenkunft vor Gottes und der Engel Angesicht – was sollte aber da anders der Anfang unseres Tuns sein, als die Erkenntnis unserer Unwürdigkeit? Nun könnte aber einer sagen: das geschieht doch in jedem Gebet; denn wenn wir um Vergebung bitten, so bekennen wir doch damit unsere Sünden! Das gebe ich zu. Aber wenn man bedenkt, wie groß unsere Sicherheit, unsere Verschlafenheit, unsere Trägheit ist, dann wird man mir auch zugeben, daß es eine heilsame Einrichtung ist, wenn das Christenvolk durch eine feierlich geordnete Beichte zur Demütigung geübt wird. Die Beichtform, die der Herr den Israeliten auftrug, gehört freilich zu der Erziehung unter dem Gesetz; aber die Sache selbst geht auch uns gewissermaßen an. Wir nehmen auch tatsächlich wahr, daß bei wohlgeordneten Kirchen mit viel Frucht die Sitte herrscht, daß der Diener an den einzelnen Sonntagen in seinem und des Volkes Namen ein formuliertes Sündenbekenntnis ausspricht, in dem er alle der Ungerechtigkeit zeiht und den Herrn um Vergebung bittet. Schließlich ist dies auch der Schlüssel, der dem Einzelnen für sich allein und allen zusammen öffentlich die Tür zum Beten auftut. (Institutio III,4,11)

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