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Sabbatlektüre: »Am dritten Tage auferstanden von den Toten…« (Johannes Calvin)

Ohne die Auferstehung wäre alles, was wir bisher gesagt haben, eitel Stückwerk. Denn in der Kreuzigung, im Tode, im Begräbnis Christi wird ja lauter Schwachheit offenbar, und der Glaube muß also über das alles hinwegkommen, um zu rechter Kraft zu gelangen.

Wir haben in seinem Tode wahrhaftig bereits die ganze Erfüllung des Heilswerks, weil wir durch ihn mit Gott versöhnt sind, weil durch ihn Gottes gerechtem Urteil genuggetan, der Fluch aufgehoben, die Strafe getragen ist. Und doch heißt es in der Schrift nicht, daß wir durch seinen Tod, sondern „durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ „wiedergeboren“ sind „zu einer lebendigen Hoffnung!“ (1. Petr. 1,3). Denn wie er in seiner Auferstehung als der Sieger über den Tod hervorkam, so beruhtauch der Sieg unseres Glaubens letztlich auf seiner Auferstehung.

Wie das zugeht, läßt sich besser mit den Worten des Paulus ausdrücken: „Er ist um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt“ (Röm. 4,25). Damit will er doch wohl sagen: durch seinen Tod ist die Sünde abgetan, aber durch seine Auferstehung ist die Gerechtigkeit uns erworben und wiederhergestellt. Wie aber hätte er uns im Tode vom Tode frei machen können, wenn er ihm selbst unterlegen wäre? Wie hätte er uns den Sieg erringen können, wenn er selbst den Kampf verloren hätte? Unser Heil ist also auf Tod und Auferstehung Christi gleichermaßen begründet, und zwar so: durch den Tod ist die Sünde abgetan und der Tod überwunden, durch die Auferstehung ist uns die Gerechtigkeit wiedererworben und das Leben geschenkt. Dabei ist aber zu beachten, daß uns erst durch die Gabe der Auferstehung die Kraft und Wirkung seines Todes zukommt. Deshalb betont auch Paulus, daß Christus durch seine Auferstehung „kräftig erwiesen“ sei als „Sohn Gottes“ (Röm. 1,4); denn erst da hat er erstmalig seine himmlische Macht bewiesen, die der klare Spiegel seiner Gottheit ist und auf der unser Glaube sicher ruhen kann. Auch an anderer Stelle lehrt Paulus: „Und ob er wohl gekreuzigt ist in der Schwachheit, so ist er doch auferstanden in der Kraft des Geistes“ (2. Kor. 13,4).

Im gleichen Sinne redet er an anderer Stelle von der Vollkommenheit: „… zu erkennen ihn und die Kraft seiner Auferstehung.“ Da schließt er denn freilich gleich an: „… und die Gemeinschaft seiner Leiden, auf daß ich seinem Tode ähnlich werde“ (Phil. 3,10). Dazu paßt ganz ausgezeichnet das Wort des Petrus: „Gott hat ihn auferweckt von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, auf daß ihr Glauben und Hoffnung an Gott haben möchtet“ (1. Petr. 1,21); das bedeutet nicht, daß der Glaube, der sich auf Christi Tod verläßt, etwa wanke, sondern es hat seinen Grund darin, daß die Kraft Gottes, die uns im Glauben bewahrt, sich in der Auferstehung am deutlichsten geoffenbart hat. Deshalb müssen wir im Auge behalten: wo vom Tode allein die Rede ist, da ist zugleich auch die Kraft der Auferstehung mit einbegriffen; dieses gleiche Miteinbegreifen findet statt, wo von der Auferstehung ohne ausdrückliche Nennung des Todes gesprochen wird: auch da sind die Wirkungen des Todes mit bedacht. Aber in der Auferstehung hat er die Palme erstritten, so daß er „die Auferstehung und das Leben“ geworden ist; deshalb sagt Paulus, der Glaube sei abgetan, eitel und trügerisch sei das Evangelium, wenn wir die Gewißheit der Auferstehung nicht fest im Herzen tragen dürften (1. Kor. 15,17). An anderer Stelle preist er den Tod Christi als festes Bollwerk gegen alle Schrecken der Verdammnis, und fährt dann doch, um den Lobpreis zu erhöhen, fort: „der gestorben ist, ja vielmehr, welcher auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns“ (Röm. 8,34).

(2.) Weiter habe ich oben gezeigt, wie von unserem Teilhaben am Kreuz auch die Ertötung unsres Fleisches abhängt. Hier müssen wir sehen, wie wir auch von der Auferstehung eine dem ganz entsprechende Wirkung empfangen. Der Apostel sagt: „So sind wir ja mit ihm begraben … in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln“ (Röm. 6,4). Im Kolosserbrief leitet er aus der Gewißheit, daß wir „mit Christus gestorben sind“ (3,3), die Folgerung ab: „So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind …“ (3,5); und ganz in derselben Weise folgert er: „Seid ihr nun mit Christo auferstanden — so suchet, was droben ist, und nicht, was auf Erden ist“ (3,1f.). Damit ermuntert er uns nicht allein, uns an Christi Auferstehung gleichsam ein Vorbild zu nehmen und nach einem neuen Leben uns auszustrecken, sondern er will uns sagen: durch seine Kraft geschieht es wirklich, daß wir zur Gerechtigkeit erneuert werden!

(3.) Aber es wird uns aus der Auferstehung noch eine dritte Frucht zuteil: die Auferstehung ist wie ein Unterpfand, das wir empfangen und das uns gewiß macht, daß auch wir selbst auferstehen werden, sie ist der wahre und sichere Grund unserer Auferstehung! Darüber redet Paulus ausführlich im fünfzehnten Kapitel des ersten Korintherbriefes.

Anmerkungsweise will ich noch einfügen, dass durch die Worte: „Christus ist auferstanden von den Toten“ zum Ausdruck kommt: er war wirklich tot und ist wahrhaftig auferstanden; er hat also den gleichen Tod erlitten, den die übrigen Menschen von Natur sterben müssen, und in dem gleichen sterblichen Fleische, das er an sich genommen hat, ist er in die Unsterblichkeit aufgenommen worden!

[Johannes Calvin, Institutio II,16,13.]

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