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Calvin über die Predigten vor der Reformation

Was für Predigten hörte man denn damals in Europa? Predigten, die jene Schlichtheit veranschaulichten, die nach Paulus die ganze Christenheit in all ihren Lebensäußerungen bestimmen soll? Mehr noch: Wo gab’s überhaupt eine, aus der die alten Mütterchen nicht mehr Unsinn heimbrachten, als sie in einem ganzen Monat hinter ihrem Ofen aushecken konnten? Denn ungefähr so waren die Predigten doch eingeteilt: zur Hälfte galten sie jenen dunklen Schulfragen, die das ungelehrte Volk kopfscheu machten, zum andern Teil brachten sie hübsche Fabeln oder ganz angenehme Spekulationen, durch die man das Volk erheitern wollte. Nur ganz wenige schwache Töne waren dazwischen aus Gottes Wort eingestreut, die durch ihr Gewicht solch nichtigem Geschwätz Glauben verschaffen sollte.

Klingt bekannt?

[aus: Calvins Antwort an Kardinal Sadolet, Calvin-Studienausgabe, Bd. 1.2, S. 373-75]

 

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