Calvin

Neues Gebet online!

Ein Nutzen der alten Kirchenordnungen sind die vielen guten ausformulierten Gebete, die wir darin oft finden. Die Kirchenordnung der Kurpfalz von 1563 zum Beispiel enthält eine ganze Reihe von Gebeten für die verschiedenen Gottesdienste. Darin wird ein Tiefgang des Gebets deutlich, den wir heute kaum noch in Gottesdiensten antreffen oder erreichen.

»Dein Reich komme…« (Johannes Calvin)

In der Predigt am Sonntag kommen wir zur zweiten Bitte des Gebets des Herrn (›Unser Vater‹) – »…Dein Reich komme…!«

Was Johannes Calvin in seinem »Unterricht in der christlichen Religion« dazu schreibt, ist wie immer lesenswert:

»Wer sind meine Geschwister?« – Eine Meditation über einen Gedanken von Calvin

Der Genfer Reformator Johannes Calvin – einer, der wohl kaum in der Gefahr stand, blind die römisch-katholische Sicht der Kirche als autonome Heilsanstalt aufzunehmen – verlegt das christliche Leben andererseits auch nicht, wie manche vielleicht erwarten würden, ganz in unser innerliches Befinden hinein.

Gottes Wort im Menschenwort

…es ist eine sehr gute und höchst nutzbringende Übung zur Demut, wenn [Gott] uns daran gewöhnt, seinem Worte zu gehorchen, ob es auch durch Menschen gepredigt wird, die uns gleich sind, ja, die uns zuweilen auch an Würde nachstehen.

Wichtige Ressource zur Predigt

Am kommenden Tag des Herrn wird es d.v. in der Predigt über Mt 5,17-20 um »Christus und das Gesetz – Der Christ und das Gesetz« gehen.

Da an der Auslegung dieser Stelle viel hängt – etwa das Verhältnis des Alten zum Neuen Testament; das Verhältnis von Gesetz und Evangelium; sowie unsere Stellung als Christen zum Gesetz – lohnt es sich, neben der Predigt noch etwas tiefer zu graben.

Zeichen + Realität = Sakrament (Johannes Calvin)

»… als ob Gott selbst in uns sänge …« – Johannes Calvin über den Psalmengesang

… es ist wahr, was Augustin sagt: dass niemand etwas singen kann, das Gottes würdig wäre, wenn er es nicht von ihm selbst empfangen hat. Darum mögen wir suchen, wo immer wir wollen: wir werden keine besseren und geeigneteren Lieder finden als die Psalmen Davids, die der Heilige Geist ihm eingegeben und gemacht hat. Wenn wir sie singen, so sind wir sicher, dass Gott uns die Worte in den Mund legt, so als ob er selbst in uns sänge, um seine Ehre zu erhöhen …

Calvin über den Psalter

»Ich pflege das Psalmbuch nicht ohne Grund eine Anatomie aller Teile der Menschenseele zu nennen; denn es findet sich kein Gefühl im Menschen, dessen Bild nicht in diesem Spiegel zu finden ist. Alle Schmerzen, alle Traurigkeit, alle Befürchtungen, Zweifel, Hoffnungen, Sorgen, Ängste, ja auch alle die gemischten Regungen schließlich, die den Menschengeist umtreiben, hat hier der heilige Geist nach dem Leben geschildert. Die übrige Schrift enthält die Gebote, die Gott seinen Knechten auftrug zur Verkündigung an uns; im Psalter aber reden die Propheten mit Gott, und weil sie dabei ihre innersten Regungen aufdecken, mahnen und bringen sie jeden von uns zur Prüfung seiner selbst, damit uns keine Schwäche, der wir unterworfen sind, keiner von den vielen Fehlern, die uns anhaften, verborgen bleibe. Es ist eine seltene und große Förderung für uns, wenn einmal alle Winkel unseres Herzens durchsucht werden und es dann auch vom schlimmsten Flecken, der Heuchelei, gereinigt ans Licht gezogen wird. Wenn schließlich das Gebet zu Gott die stärkste Stütze unseres Heils ist, so lässt sich dafür keine bessere und sicherere Weise finden als im Psalter, und je weiter jemand kommt in seinem Verständnis, einen umso größeren Teil der himmlischen Weisheit hat er erlangt. Das aufrichtige Gebet geht hervor erstlich aus der Empfindung unserer Not, dann aber auch aus der Zuversicht auf die Verheißung. Der Psalter aber weckt seine Leser, dass sie ihre Nöte recht empfinden, und macht sie zugleich aufmerksam auf die Hilfsmittel dagegen. Kurzum alles, was uns ermutigen kann, wo es sich ums Gebet zu Gott handelt, das wird uns in diesem Buche gezeigt. Denn wir finden hier nicht nur die Verheißungen, es wird uns hier auch oft ein Mensch gezeigt, der mitten zwischen der Einladung von Gott und den Hindernissen des Fleisches, sich anschickt zu beten, damit auch wir, wenn uns mancherlei Zweifel quälen, ringen lernen, bis sich unser Geist befreit zu Gott aufschwingt. Und nicht nur das, sondern mitten in Bedenken, Furcht und Zittern sollen wir uns zwingen zu beten, bis wir eine Erleichterung spüren, die uns beruhigt. Denn wenn auch der Mangel an Vertrauen unserem Gebet die Tür verschließt, so müssen wir doch wissen, dass wir nicht nachgeben dürfen, wenn unsere Herzen wanken und unruhig sind, bis der Glaube siegreich aus dem Kampf hervorgeht. Tatsächlich können wir an mancher Stelle des Psalters sehen, wie die Knechte Gottes so hin und hergetrieben werden beim Gebet, dass sie abwechselnd fast unterlagen und dann doch wieder durch heißes Ringen die Siegespalme davontrugen. Einerseits zeigt sich dabei die Schwachheit des Fleisches, andrerseits aber erweist sich die Kraft des Glaubens, wenn auch nicht gleich so tapfer, wie man möchte, aber doch bereit zum Kampfe, bis sie allmählich volle Festigkeit erlangt.

Zeichen der wahren Kirche: Wort & Sakrament

Als Merkzeichen, an denen man die Kirche erkennt, bezeichneten wir die Predigt des Wortes und die Übung der Sakramente. Denn diese beiden können nicht bestehen, ohne Frucht zu bringen und durch Gottes Segen gedeihlich zu sein. Ich behaupte nicht etwa, dass überall, wo das Wort gepredigt wird, sogleich Frucht erwächst, nein, ich meine: es wird nirgendwo aufgenommen und hat nirgendwo seinen festen Sitz, ohne dass es auch seine Wirksamkeit an den Tag bringt.

So sicher wie das »Amen« in der Kirche…?

Das »Amen« in der Kirche wird heute leider weithin als fromme Floskel verstanden. Vielleicht deshalb habe ich den Eindruck, dass es in manchen Freikirchen langsam ganz auszusterben scheint. Es ist vielleicht einfach nicht zeitgemäß oder gar »hip« genug. Wer redet heute schon noch so kannaanäisch?