Böhl

Eduard Böhl über die Kirche bei den Erzvätern

Wirklich finden wir in Adams Hause die erste Gemeinde der Gläubigen, Mann, Weib, Kinder. Wir finden Gottes Wort, Kultus, Opfer und Religion, in aller Einfachheit zwar, aber völlig genügend. Wir finden, dass Adam Gott lobt und dankt (Gen 4,25), dass Eva sich im Herrn freut (Gen 4,1), und dass Beide darin dem Herrn gehorsam sind, dass sie den Zugang zum Baum des Lebens nicht erzwingen, sondern von der harten Erde ihr Brot essen und Kinder zeugen. Wir vernehmen, dass sie ihre Kinder die Opfer gelehrt und Zucht geübt, sofern sie Kain aus ihrem Hause ziehen ließen und, was ihnen schwer genug ankommen mochte, keine Gemeinschaft weiter mit ihm pflegten. Erst mit Seth atmen die lange gedrückten Eltern wieder auf, und weissagen einen Fortgang der Kirche (Gen 4,25).

Böhl und der Pietismus

In dieser Furcht war der Pietismus befangen, als er die Rechtfertigung zur Voraussetzung der Heiligung machte; die Heiligung erscheint dabei als Fortbildung der Rechtfertigung, und der Empfang der letzteren hat sich in der Heiligung zu bewähren. Aber bei dieser Bewahrung des Glaubens durch gute Werke erwuchs dem Pietismus ein ganz andrer Inbegriff von Merkmalen und Kennzeichen, ob man im Glauben stehe, als der Inbegriff des göttlichen Gesetzes war. Die Probe, ob der rechtfertigende Glaube auch echtes Gold mit sich führe, wurde noch an einem andren Prüfstein gemacht, als dem des Gesetzes Gottes. Man schuf sich eine Art nova lex, ein Gesetz für die wahren Gläubigen.

Die drei Merkmale einer gesunden Gemeinde

Man kann und muss die Frage nach den Erkennungsmerkmalen einer wahren, biblischen Kirche theoretisch aufdröseln. Doch sicherlich ist es ebenso hilfreich, solch eine gesunde Kirche, mitsamt den drei klassischen Merkmalen (notae ecclesiae) »in Aktion« zu sehen: wo das Wort Gottes, das Evangelium, lauter und rein gepredigt wird; wo die Sakramente nach Christi Einsetzung ausgeteilt werden; und wo die Kirchenzucht verstanden wird als die konsequente Seelsorge an und in der Gemeinde.

Praktische Folgen der Rechtfertigungslehre

Eduard Böhl (1836-1903) war einer der letzten (wenn nicht der letzte) großen reformierten Theologen Deutschlands. Aus Hamburg stammend lehrte er zeitlebens an der Universität in Wien. Er war der Schwiegersohn des reformierten H. F. Kohlbrügge, Pastor der Niederländisch reformierten Gemeinde zu Wuppertal Elberfeld. Böhl lehnte die pietistisch-erweckliche Theologie, auch in ihrer reformierten Form, ab zugunsten der altreformierten Lehre.