Glaube

Calvin über das »Tröpflein Glaube«, das uns rettet

Sobald einmal auch nur das mindeste Tröpflein Glaube in unser Herz gesprengt ist, da fangen wir auch schon an, Gottes Angesicht als sanftmütig und freundlich und uns gnädig anzuschauen, freilich vielleicht weitab, in großer Ferne, aber doch mit solch sicherem Blick, daß wir wissen: wir sind keineswegs einer Täuschung verfallen! Schreiten wir dann fort – und wir müssen ja stets fortschreiten! –, so kommen wir, gewissermaßen im Weitergehen, mehr und mehr zu einem näheren und deshalb auch gewisseren Schauen seines Angesichts: so wird es uns gerade im Vorwärtsschreiten immer vertrauter. Ist also unser Sinn durch die Erkenntnis Gottes erleuchtet, so sehen wir ihn im Anfang noch von allerlei Unwissenheit umhüllt, die langsam entweicht. Dadurch jedoch, daß er vieles nicht weiß und auch das, was er sieht, noch dunkel erschaut, wird er doch nicht gehindert, die klare Erkenntnis des göttlichen Willens ihm gegenüber zu genießen – und das ist doch das Erste und Wichtigste im Glauben! Wenn einer gefangen liegt und in seinem Kerker die Strahlen der Sonne bloß durch ein enges Fenster schief und gleichsam halbiert schimmern sieht, so ist es ihm zwar verwehrt, die Sonne frei zu schauen – und doch ist es ein wirklicher Glanz, den er mit seinen Augen erfaßt und sich zunutze macht! Ganz ebenso sind auch wir von den Fesseln des irdischen Leibes umschlossen, und ringsum liegen wir zwar in Dunkel und Schatten; aber wenn uns auch nur ein wenig vom Lichte Gottes bestrahlt und uns seine Barmherzigkeit offenbart, so empfangen wir doch genug Erleuchtung, um zu fester Gewißheit zu kommen.

Calvin über das Wesen wahren Glaubens

[Der Glaube] ist die feste und gewisse Erkenntnis des göttlichen Wohlwollens gegen uns, die sich auf die Wahrheit der in Christus uns dargebotenen Gnadenverheißung stützt und durch den Heiligen Geist unserem Verstand geoffenbart und in unserem Herzen versiegelt wird.

»Nicht Zungenlehre sondern Lebenslehre!« – Calvin über die Lehre des Evangeliums

Der Reformator Johannes Calvin war sicherlich kein Pietist. Das heißt, er hat den Kern des Evangeliums, den Kern des christlichen Lebens nicht in der menschlichen Befindlichkeit, dem Gefühl, gesucht. Er betont ebenso stark wie Martin Luther die objektive Wahrheit des Evangeliums, das wir zu glauben haben.