Predigen

Gottes Wort im Menschenwort

…es ist eine sehr gute und höchst nutzbringende Übung zur Demut, wenn [Gott] uns daran gewöhnt, seinem Worte zu gehorchen, ob es auch durch Menschen gepredigt wird, die uns gleich sind, ja, die uns zuweilen auch an Würde nachstehen.

Zeichen der wahren Kirche: Wort & Sakrament

Als Merkzeichen, an denen man die Kirche erkennt, bezeichneten wir die Predigt des Wortes und die Übung der Sakramente. Denn diese beiden können nicht bestehen, ohne Frucht zu bringen und durch Gottes Segen gedeihlich zu sein. Ich behaupte nicht etwa, dass überall, wo das Wort gepredigt wird, sogleich Frucht erwächst, nein, ich meine: es wird nirgendwo aufgenommen und hat nirgendwo seinen festen Sitz, ohne dass es auch seine Wirksamkeit an den Tag bringt.

So sicher wie das »Amen« in der Kirche…?

Das »Amen« in der Kirche wird heute leider weithin als fromme Floskel verstanden. Vielleicht deshalb habe ich den Eindruck, dass es in manchen Freikirchen langsam ganz auszusterben scheint. Es ist vielleicht einfach nicht zeitgemäß oder gar »hip« genug. Wer redet heute schon noch so kannaanäisch?

Predigt und »Stille Zeit« – die richtige Balance macht’s!

Manche Christen denken, seit der Reformation – in Folge der Wiederentdeckung der Bibel für das Volk – sei die persönliche Bibellese und das eigene Bibelverständnis mindestens gleichgestellt mit der öffentlichen Predigt durch einen berufenen Prediger im Gottesdienst der Gemeinde. Vielleicht sogar noch etwas höher anzusiedeln, denn einem Prediger kann ich im Grunde nicht wirklich trauen; mir selber traue ich da schon eher!

Zwingli über den Segen der Predigt

Möge also unter eurer [der Preidger] Führung der vorderste von allen Propheten [Jesaja] bei den Obrigkeiten, den Städten und Völkern seine Posaune ausstrecken und möge er auffordern, dem Herrn den Weg zu bereiten – dann werdet ihr einsehen, dass es nicht aus frechem Eigensinn, sondern aus Pflichtbewusstsein geschieht, wenn unsere Propheten unsere Sitten, die vernachlässigte Gottesfurcht, die vernachlässigte Gerechtigkeit, die missachteten Gesetze ein bisschen scharf angreifen […] So sei denn Jesaja der Spürhund, der vom Einschlafen und Verwedeln nichts wissen will! […] O glückliche Obrigkeiten, Städte und Völker, bei denen der Herr durch seine Knechte, die Propheten, freimütig redet! Denn so wird die Gottesfurcht wachsen, die Unschuld wiederkehren und die Gerechtigkeit herrschen können! […] So möge denn der Herr dem frommen Beginnen gewogen sein, auf dass seine Herrlichkeit mitsamt unserer Unschuld mehr und mehr wachse! Amen.

Calvin über die Predigt als wahres »Bild Jesu«

Was für Menschen sind das aber auch, welche die Papisten „Laien“ nennen, deren Unwissenheit bloß mit Bildern sollte behoben werden können? Es sind doch die, welche der Herr als seine Jünger anerkennt, die er der Offenbarung seiner himmlischen Lehre (philosophia) würdigt, die er in den heilsamen Geheimnissen seines Reiches will erziehen lassen! Nun mögen es freilich, wie die Dinge liegen, heutzutage wenige sein, die solche Bücher entbehren können! Aber ich frage: woher kommt denn diese Unwissenheit anders, als daher, daß man diese Menschen der Lehre beraubt hat, die allein geschickt war, sie zu bilden? Wenn die Vorsteher der Kirche den Bildern das Lehramt übertragen haben, so geschah das aus keinem anderen Grunde, als weil sie selber — stumm waren: Paulus bezeugt, daß durch die wahre Predigt des Evangeliums Christus abgemalt, ja sozusagen vor unseren Augen gekreuzigt wird! (Gal 3,1). Wozu also soviele Kreuze überall in den Kirchen, aus Holz und Stein, Silber und Gold? Man hätte sie gewiß nicht aufzurichten brauchen, wenn man treulich gepredigt hätte, daß Christus den Tod erlitten hat, um am Kreuze für uns den Fluch zu tragen, um unsere Sünde mit dem Opfer seines Leibes zu sühnen, mit seinem Blute abzuwaschen und uns mit dem Vater zu versöhnen! Aus diesem einen hätte man mehr lernen können als aus tausend hölzernen oder steinernen Kreuzen — denn auf die goldenen und silbernen richten die Geizhälse ihre Augen doch vielleicht steifer als auf irgendein Wort Gottes!

»Gott ist in der Mitte« – Calvin über die Gegenwart Gottes in der Gemeinde

Im Anschluss an die Predigt vom letzten Sonntag über Epheser 4,11-13 möchte ich hier noch ein Zitat nachliefern, in dem Calvin in wunderbarer Weise die Gegenwart Gottes in und durch das »Werk des Dienstes« in der Gemeinde (V.12), durch die »Hirten und Lehrer« (V.11) beschreibt.