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»Das Amt der Presbyter« – ein wunderbar-furchtbares Amt

Hermann Friedrich Kohlbrügge, früher Pastor der Niederländisch-reformierten Kirche Elberfeld, hat einige Predigten über 1. Petrus 5 gehalten, einstmals herausgegeben unter dem Titel »Das Amt der Presbyter«. Darin betrachtet er das kirchliche Amt der Ältesten und Pastoren von verschiedenen Seiten wie das Licht, das sich in einem Diamanten bricht. Er nennt diese, die »Vorgänger der Gemeinde«.

Im folgenden Zitat aus einer dieser Predigten beschreibt er mit gewohnter Klarheit und Worten, die das Gewissen jedes Amtsträgers in der Kirche erreichen und durchdringen müssen, die Verantwortung und hohe Berufung dieses Ältesten- bzw. Pastorenamtes.

Es sind Worte, die abschreckend sind – nämlich für die, die nicht wirklich vom Geist berufen sind zu diesem Dienst; aber auch Worte, die herausfordern, überführen und anspornen – nämlich die, von denen der Geist Gottes für dieses Amt wirklich Besitz ergriffen hat.

Ich zitiere aus der ersten Predigt über 1. Petrus 5,1, neuerdings elektronisch veröffentlicht auf Licht & Recht.

Wer es unternimmt eine Gemeine des Herrn unter seine Obhut zu nehmen, der sehe zu, daß es von ihm nicht gelte, was geschrieben steht bei dem Propheten: „Das Volk bauet die Wand, so tünchen sie dieselbe mit losem Kalk. Sprich zu den Tünchern, die mit losem Kalk tünchen, daß er abfallen wird, denn es wird ein Platzregen kommen – siehe, so wird die Wand einfallen.“ – 
Es sei sich ein Vorgänger einer Gemeine des Herrn dessen gut bewußt, daß er es ist „durch den Willen Gottes,“ und „nach dem Befehl Gottes unseres Heilandes;“ und wenn er sich dessen bewußt ist, so wird er beben vor dem Wort: „Du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter über das Haus Israel gesetzt, du sollst aus meinem Munde das Wort hören, und sie von meinetwegen warnen. Wenn ich dem Gottlosen sage: Du mußt des Todes sterben, und du warnest ihn nicht, und sagst es ihm nicht – so wird der Gottlose um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern.“ (Hes. 3)
Aber wie geht es gewöhnlich her? Die Vorgänger mögen immerhin Gesetz und Evangelium, Werke und Gnade durcheinander werfen, den lebendigen Gott und Götzen aufrichten, lehren wie man das Joch Christi und das Joch Belials auf einer Schulter tragen soll; sie mögen Menschensatzungen und Menschengebot den Leuten aufbürden, den Leuten zu Sünden Anlaß geben, ja sie dazu reizen mit ihrer Lehre, und ihnen sodann vorhalten, wie sie den Leib kasteien sollen; sie mögen unbekümmert sein, ob die Gemeinen „mitlaufen in dasselbe wüste unordentliche Wesen:“ das schadet alles nicht, wenn nur die Kirchenpflichten beobachtet werden. Sie dürfen Philosophie treiben und in Dingen sich bewegen, welche sie nie gesehen haben; dürfen einen andern Jesum predigen und einen andern Geist bringen, als die Apostel geprediget und die Gemeinen im Glauben an das apostolische Wort empfangen haben – und werden wohl unangefochten bleiben. Vorgänger aber die Christum predigen, nichts als Christum und den ganzen Christum, die den Menschen aufs Tiefste demütigen und die freie Gnade aufs Höchste erhöhen; die von allem Fleisch zeugen, daß es seinen Weg verdorben hat, und durch die lautere Predigt der Gnade Christi und der Genugtuung und Versöhnung der Sünden in seinem Blut die Menschen hinleiten zur wahren Heiligung des Geistes und seine Zucht handhaben: sie werden zwar Gott und alle seine Heiligen zu Freunden, aber auch Teufel und Welt zu unversöhnlichen Feinden haben, und demnach nie unangefochten sein.
Gleichwie in der Schlacht der Soldat klug ist, der auf die feindlichen Heerführer zielt, so ist der Teufel seit Jahrtausenden listig um zu zielen auf die Vorgänger der Gemeine des Herrn. Und wie es ihm gelang und noch immer gelingt, das liegt darin ausgesprochen, daß selbst Prediger geklagt haben, der Grund der Hölle werde am meisten mit Predigern bedeckt sein.

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