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Das gemeinsame Sündenbekenntnis

Die Vergebung der Sünden liegt im Zentrum des Evangeliums (Mt. 26,28; Lk. 24,47; Apg. 2,38. Ja, an manchen Stellen in der Schrift wird Vergebung der Sünden einfach gleichgesetzt mit dem Evangelium (Apg. 13,38; Eph. 1,7; Kol. 1,14). Wie sollte die Vergebung der Sünden da nicht ein zentrales Element unseres Gottesdienstes sein? Als christliche Kirche bekennen wir „die heilige allgemeine christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden“ in unserem Glaubensbekenntnis. Im „Unser Vater“ bitten wir, „…und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Aber nicht nur das, der Kirche und ihren Dienern ist auch das „Amt der Schlüssel“ gegeben. Dies bedeutet, was die Kirche auf Erden bindet, das wird im Himmel gebunden sein; und was sie auf Erden löst, das wird im Himmel gelöst sein (Mt. 16,19; vgl. HK, Sonntag 31). Das ist eine große Verantwortung!

Selbstverständlich wissen wir als Christen alle um die Bedeutung der Sündenvergebung für unser eigenes Leben. Und doch fällt die Praxis, unsere Schuld zu bekennen vor Gott leider allzuoft „hinten runter“. Wir sind uns unserer Sünden sehr bewusst, haben vielleicht auch ein schlechtes Gewissen, aber wir gehen trotzdem nicht oder kaum auf die Knie oder ins stille Kämmerchen um diese Sünden vor Gott zu bekennen.

Nicht zuletzt deshalb bekennen wir im Gottesdienst gemeinsam als Gemeinde von Heiligen, die aber auch immer noch Sünder sind, unsere Schuld. Dazu benutzen wir oft ein vorformuliertes Gebet. Das ist angemessen, wenn wir dem Heiligen Gott in der Versammlung begegnen, in dem wir unseren Bund mit ihm erneuern wollen. Diese Praxis verdeutlicht aber auch, dass in der Gemeinde nicht Einer besser ist als der Andere; und selbst dass wir als Gemeinde nicht besser sind als ungläubige Besucher. Nein, in unserer Sündhaftigkeit und unserem Bedürfnis der Vergebung Gottes sind wir alle gleich!

Für mich persönlich ist das gemeinsame Sündenbekenntnis als fester Bestandteil der Liturgie, eines der Highlights des Gottesdienstes – als Besucher sowie als Diener Christi. Hier weiß ich, allem Zweifel zum Trotz: ich habe meine Sünden bekannt und ich habe die heilsamen Worte des Evangeliums, die Worte der Vergebung gehört! Wenn ich das nur glaube, bin ich ein Christ und werde gerettet! Daran gibt es keinen Zweifel!

Was kann es Wohltuenderes geben, als wenigstens einmal in der Woche von Herzen alle Sünden, ja unsere ganze Sündhaftigkeit zu bekennen und zu bereuen – und die Barmherzigkeit Gottes neu zu erleben!

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