Blog

Das göttliche Drama – Dorothy Sayers

Lasst uns in Himmels Namen das göttliche Drama unter dem furchtbaren Haufen überflächlichem Denken und kitschigem Sentimentalismus hervorziehen, der auf ihm lastet, und lasst es uns auf die offene Bühne bringen, damit es die Welt zu irgendeiner heftigen Reaktion aufschreckt. Wenn die Frommen die ersten sein sollten, die sich dabei erschrecken, dann umso schlimmer für sie; andere werden vor ihnen ins Reich der Himmel eingehen. Wenn alle Menschen sich über Christus ärgern, lass sie sich ärgern! Aber worin liegt der Sinn, dass sie sich über etwas ärgern sollten, das nicht Christus ist und ihm kein Bißchen ähnelt? Wir tun ihm denkbar wenig Ehre, in dem wir seinen Charakter verwässern, bis er er keine Fliege mehr verärgern könnte. Es ist ganz gewiss nicht die Aufgabe der Kirche, Christus den Menschen anzupassen, sondern Menschen Christus.
Das Dogma ist das Drama, nicht wunderschöne Phrasen, auch nicht tröstliche Emotionen, nicht vages Streben nach Freundlichkeit und Auferbauung, nicht das Versprechen von irgendetwas Nettem nach dem Tode – sondern die erschreckende Behauptung, dass derselbe Gott, der die Welt gemacht hat, in dieser Welt gelebt hat und durch das Grab und die Pforten der Hölle geschritten ist.
Das stellt den Heiden vor! Sie mögen es nicht glauben, aber wenigstens mögen sie erkennen, dass dies etwas ist, dass man gerne glauben würde!

[aus: Dorothy L. Sayers, Creed or Chaos? Why Christians Must Choose Either Dogma or Disaster (Or, Why It Really Does Matter What You Believe) – meine Übersetzung.]

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Evangelium, Jesus Christus, Über den Tellerrand hinaus, Zitate. Lesezeichen dauerhaft abspeichern.

Comments are closed.