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Das pastorale Gebet

Frage 103 des Heidelberger Katechismus sagt, wir sollen alle, »den Herrn öffentlich anrufen«. Manche bemerken, dass in unseren Gottesdiensten keine Gelegenheit eingeräumt wird, ja dass es nicht unsere Praxis ist, dass wir ein »offenes Gemeindegebet« haben. Der öffentliche Gottesdienst ist nicht der Ort und die Zeit für öffentliche Gebete von einzelnen Gemeindegliedern, Männern und Frauen. Aber wie kann ich, zusammen mit der ganzen Gemeinde, »am Feiertag« … »den Herrn öffentlich anrufen«, wenn der Pastor der Einzige ist, der laut betet?

Die erste Antwort liegt bereits in unserem Amtsverständnis begründet. Was fällt Besuchern in unserer Gemeinde auf, wenn sie den Saal zum Gottesdienst betreten? Der Pastor trägt einen Talar! Warum? Damit kommt auch äußerlich zum Ausdruck, dass der Pastor kein »Alleinunterhalter« ist, sondern dass er abwechselnd »Gott repräsentiert«, und zwar indem er von ihm und für ihn redet (Ruf zur Anbetung, Lesungen, Absolution, Predigt, Segen) und die Gemeinde repräsentiert (v.a. im Gebet).

So ist die Gemeinde gehalten, das Gebet des Pastors – eines der Herzstücke des Gottesdienstes – zu ihrem eigenen Gebet zu machen.

Ein paar praktische Ideen, wie meine eigene Stimme im Gebet des Pastors noch besser zu Wort kommen kann:

  • Schon im Vorfeld kann ich dem Pastor meine Gebetsanliegen mitteilen, damit er sie gegebenenfalls in das Gebet mit einfließen lässt.
  • Gut zuhören: Das pastorale Gebet ist nicht die Zeit, um endlich nach dem lang ersehnten Bonbon zu kramen, oder die Grafik im Faltblatt zu vollenden. Interessiertes und intelligentes Zuhören ist natürlich der erste Schritt!
  • Sprechen Sie das »Amen« zum Schluss des Gebets laut und überzeugt mit. Das sprichwörtliche »Amen in der Kirche« ist kein akustisches Signal, dass jetzt etwas anderes kommt. Nein, es ist gerade die kollektive, gemeindliche Zustimmung zu dem gerade Gebeteten. (Vgl. Katechismus, Frage 129)
  • Nehmen Sie die Gebetsanliegen des Pastor auf in Ihr persönliches Gebet. Der Pastor versucht, in regelmäßigen Abständen für alle wichtigen biblischen Anliegen zu beten. Nehmen Sie sich ein Beispiel daran und tragen die Gebetsanliegen mit nach Hause.
  • Versuchen Sie, vom Gebet des Pastors zu lernen. Der Pastor betet bei uns ein vorbereitetes Gebet, d.h. er hat sich hingesetzt und sich Gedanken gemacht über den Inhalt; wie er biblische Anliegen mit biblischer Sprache, Verheißungen, Formulierungen beten kann. Uns allen gehen in unserem persönlichen Gebet manchmal die Worte aus. Da ist es hilfreich, wenn wir voneinander lernen können und die biblische Sprache uns nach und nach in Fleisch und Blut übergeht.

Sicher gibt es noch mehr Ideen, aber dies ist ein Anfang, um sich das gottesdienstliche Gebet noch mehr persönlich »anzueignen«.

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