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Der Beginn des Gottesdienstes

Die Gottesdienste der SERK beginnen absichtlich nicht mit einem Menschenwort. Nach unserem Verständnis hat Gott selbst das erste und das letzte Wort im Gottesdienst. Die Gottesdienste der Gemeinde Jesu sind nicht unsere clevere Idee, sondern Bundesversammlungen, die nicht wir, sondern der Herr des Bundes einberuft. Deshalb beginnen unsere Gottesdienste formal mit der Aufforderung Gottes, dem Ruf zur Anbetung.

Ich sage deshalb formal, weil dem eigentlichen Gottesdienstbeginn (durch den Ruf Gottes zur Anbetung) bei uns, wie in vielen anderen reformierten Kirchen, das Votum vorausgeht.

Das Votum (manchmal auch »Adjutorium« genannt, von lat. für »Hilfe«) kommt bei uns in der Regel aus Psalm 124,8:

Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

Manchmal gebrauchen wir auch ein trinitarisches Votum:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Durch das Votum, das der Pastor spricht, während die Gemeinde noch sitzt, drücken wir schon vor Beginn des eigentlichen Gottesdienstes aus, dass wir nicht einmal wissen, wie wir Gott recht anbeten sollen, wenn er uns nicht zu Hilfe kommt. Der Pastor, der das »Votum« laut ausruft, ist an dieser Stelle der Mund der versammelten Gemeinde.

Danach folgt der eigentliche Ruf zur Anbetung. Dieser ist gewöhnlich ein Bibelwort, das ausdrückt, dass es der lebendige Gott selbst ist, der uns als sonntägliche Gemeinde zusammen ruft. Den Herrn Woche für Woche als Gemeinde im Gottesdienst gemeinsam anzubeten ist nicht unsere Idee, sondern unsere höchste und heiligste Pflicht (1. Chr 16,28-29; Ps 29,2; Ps 96,9; Joh 4,23; Hebr 10,25). Anschließend folgt der Gruß Gottes. Dieser ist eine apostolische Grußformel. Hier greift der Pastor einfach auf, was Paulus zu Beginn seiner Briefe tut (Gal 1,3; Eph 1,2; Phil 1,2; Kol 1,2; Röm 1,7, etc.), d.h. er grüßt die Gemeinde, der er schreibt, indem er ihnen die Gnade Gottes zuspricht. Hier und an anderer Stelle handelt der Pastor als „Sprachrohr“ Gottes, d.h. er spricht der Gemeinde ein Segenswort Gottes zu. Manchmal ist dieser Gruß aber in der Form des so genannten Votums. Das Votum (von lat. „Opfer“ oder „Gelübde“) ist ein Bekenntnis zu dem Gott, in dessen Gegenwart und mit dessen Hilfe wir den Gottesdienst beginnen wollen. Traditionell beginnt die reformierte Liturgie in vielen Kirchen und Ländern mit dem Votum aus Ps 124,8: „Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Calvin begann nahezu jeden Gottesdienst in Genf damit. Manchmal wird auch ein trinitarisches Votum gewählt, das die Gegenwart des dreieinen Gottes in den Vordergrund stellt.

Dieses Votum ist leicht gesagt, aber wie bei allen liturgischen Elementen muss man sich bewusst machen, was wir damit ausdrücken. Wir drücken unsere Schwachheit aus, und dass wir allein vom Herrn, »von den Bergen« Hilfe erwarten (Ps 121,1-2), ihn so anzubeten, dass wir nicht vom verzehrenden Feuer zerstört werden (2Mos 24,17; Hebr 12,29). Letztlich fassen die Worte des Votums den Charakter des ganzen Gottesdienstes und des Evangeliums zusammen: unsere Hilfe und unser Trost im Leben und im Sterben liegen bei Gott allein! (HK, Sonntag 1). Deshalb sind wir froh, dass dieser Gott uns zum Gottesdienst einlädt – nicht die Gemeinde, nicht der Pastor, nicht wir selbst – und dass er uns auch hilft, ihn richtig anzubeten! So bleiben die Ansprache Gottes in Ruf zur Anbetung bzw. Votum sowie im Segen am Ende der Rahmen unseres Gottesdienstes.

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