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Der Gruß Gottes

Unsere Gottesdienste beginnen mit einem »Votum« (manchmal auch »Adjutorium« genannt, von lat. für »Hilfe«). Bei uns ist dies sehr oft Psalm 124,8. Durch die trinitarische Eröffnungsformel zusammen mit dem Votum oder »Adjutorium« wird die Versammlung der Gemeinde als christlicher Gottesdienst identifiziert. Der Pastor, der »Votum« (und »Eröffnungsformel«) laut ausruft, ist an dieser Stelle der Mund der versammelten Gemeinde.

Dann folgt der Ruf zur Anbetung. Doch schon direkt danach folgt in unserer Liturgie der »Gruß Gottes« (auch »Benediktion«), eine Segenswort Gottes an seine versammelte Gemeinde. Es unterscheidet sich vom Segen am Ende des Gottesdienstes darin, dass es an die versammelte Bundesgemeinde gerichtet ist (»Gnade sei mit Euch…«), während der Schlusssegen ein individuelles Segenswort für die Gläubigen ist, mit dem sie in die Welt zurück gehen (»Der Herr segne dich…«). An dieser Stelle beginnt der eigentliche Gottesdienst, in dem der Pastor als Diener Gottes zum Sprachrohr Gottes wird und ihnen die gnädige Zuwendung Gottes zuspricht. Die Gemeinde beantwortet diese Anrede Gottes mit dem gemeinsamen »Amen.« (Alternativ kann der Gottesdienst auch direkt mit dem »Ruf zur Anbetung« beginnen; »Votum« und »Gruß Gottes« folgen danach.)

Für die Ungläubigen im Gottesdienst ist der »Gruß Gottes« eine leblose Formalität. Nicht so für die Kinder Gottes. Sie erkennen im Gruß Gottes die Erklärung, dass der lebendige Gott sich seinem Bundesvolk gnädig zuwendet. Sie müssen kein Gericht erwarten, sondern dürfen sich auf die Begegnung mit ihrem Gott freuen.

So gehören Votum und Gruß Gottes zusammen. Genauer: der Gnadengruß Gottes ist seine Antwort auf unser Hilferuf im Votum.

Der Theologe und Staatsmann Abraham Kuyper schrieb vor hundert Jahren:

Die Benediktion (›Gruß Gottes‹) ist deshalb kein netter Wunsch von dem, der auf der Kanzel steht, womit er dir allerlei Gutes und ›Gnade und Frieden‹ wünscht, sondern hier kündet dir der dreieine Gott seine Gnade und seinen Frieden an, und er gebraucht dazu den Diener, den er erwählt hat.

(Abraham Kupyer, Onze Eeredienst)

Liebe Gemeinde, der Gruß Gottes –»Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.« (2. Kor. 13,13) oder ein ähnlicher Zuspruch – zu Beginn des Gottesdienstes ist nichts weniger als Gott selber, der zu uns spricht. Lasst uns diesen Gruß stets mit einem von Herzen kommenden und frohen »Amen!« beantworten.

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