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Der trinitarische Glaube (Johannes von Damaskus)

Johannes von Damaskus 1 (der »Damaszener«; geboren etwa 650 n. Chr.) gilt als einer der letzten großen Kirchenväter.

Bei den Kirchenvätern, insbesondere den »östlichen«, griechisch sprechenden Kirchen, lernen wir, wie die Lehre von der Dreieinigkeit das kirchliche Leben, vor allem auch den Gottesdienst, die Anbetung Gottes prägt bzw. prägen sollte. Im Westen hat die Kirche diese trinitarische Frömmigkeit leider sehr schnell aufgegeben.

Hier ein Beispiel für solch eine trinitarische Frömmigkeit aus der Schrift des Johannes »Vom orthodoxen Glauben« 2:

 

Wir glauben an einen Gott, einen Urgrund, der anfanglos, ungezeugt, unvergänglich und unsterblich, ewig, unendlich, unumschränkt, unbegrenzt, endlos, mächtig, einfach, nicht zusammengesetzt, unkörperlich, leidenschaftslos, unwandelbar, unveränderlich, unsichtbar, Quelle der Güte und Gerechtigkeit, geistiges Licht, unzugänglich ist.

Wir glauben an eine Macht, die durch kein Maß erkannt, die nur durch den eigenen Willen gemessen wird; den sie kann alles, was sie will. Sie hat alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge erschaffen, sie erhält und bewahrt alles, sorgt für alles, behauptet und beherrscht und regiert alles in unendlicher, unvergänglicher Herrschaft; sie hat keinen Gegensatz. Sie erfüllt alles, ist von nichts umschlossen, umschließt vielmehr selbst alles, hält es zusammen und überragt es; sie durchdringt alle Wesenheiten, ohne befleckt zu werden, steht über allem, ist über jede Wesenheit erhaben und darum überwesentlich, allüberragend, übergöttlich, übergut, übervollkommen. Sie setzt alle Anfänge und Ordnungen fest, ist über jeden Anfang und jede Ordnung erhaben, steht über Wesenheit und Leben und Wort und Gedanken.

Sie ist Selbst-Licht, Selbst-Güte, Selbst-Leben, Selbst-Wesen. Denn sie hat weder das Sein noch sonst etwas von einem anderen, sie ist vielmehr selbst Quelle des Seins für das Seiende, des Lebens für das Lebende, der Vernunft für das Vernünftige und für alle Ursache aller Güter. Sie weiß alles, ehe es geschieht. Wir glauben an eine Wesenheit, eine Gottheit, eine Kraft, einen Willen, eine Wirksamkeit, ein Prinzip, eine Macht, eine Herrschaft, eine Regierung. Sie wird in drei vollkommenen Hypostasen [Personen] erkannt, genießt aber nur eine Anbetung, sie wird geglaubt und verehrt von jedem vernünftigen Geschöpf. Sie [die Hypostasen] sind ohne Vermischung vereint und ohne Trennung unterschieden, was geradezu unglaublich scheint. Wir glauben an den Vater, Sohn und Heiligen Geist, auf die wir auch getauft sind. Denn so hat der Herr seinen Aposteln zu taufen befohlen, da er sprach: »Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!«.

Wir glauben an einen Vater, den Ursprung und die Ursache von allem. Er ist aus niemand gezeugt, er ist allein ohne jeden Anfang und ungezeugt. Er ist Schöpfer aller Dinge. Kraft der Natur ist er Vater seines einen, alleinigen, eingeborenen Sohnes, unseres Herrn und Gottes und Heilandes Jesus Christus, und Hervorbringer des allheiligen Geistes. Und wir glauben »an einen Sohn Gottes, den Eingeborenen«, unseren Herrn Jesus Christus, »der aus dem Vater gezeugt ist vor aller Zeit, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, gleichen Wesens mit dem Vater, durch den alles erschaffen ist.«

Gleicherweise glauben wir auch »an einen Heiligen Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater ausgeht« und ihm Sohne ruht, »der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird«, als wesensgleich und gleichewig. Wir glauben an den Geist aus Gott, »den rechten, den vorzüglichen«, den Quell der Weisheit, des Lebens und der Heiligung. Er ist und heißt Gott wie der Vater und der Sohn, ungeschaffen, vollkommen, Schöpfer, allherrschend, allwirkend, allmächtig, unendlich, gewaltig. Er herrscht über jedes Geschöpf, wird aber nicht beherrscht. Er vergöttlicht, wird aber nicht vergöttlicht. Er erfüllt, wird aber nicht erfüllt. Er läßt teilnehmen, hat aber nicht teil. Er heiligt, wird aber nicht geheiligt. Er ist Anwalt, denn er nimmt alle Bitten entgegen. In allem ist er dem Vater und dem Sohne gleich. Er geht vom Vater aus, wird durch den Sohn mitgeteilt und von jeglichem Geschöpf empfangen.

Fußnoten:

  1. vgl. den Artikel hier.
  2. Johannes von Damaskus, De Fide Orthodoxa, I,8. Die ganze Schrift Expositio Fidei (deutsch) finden Sie hier.
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