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Die Absolution durch den Pastor

»Ego te absolvo!“ — „Ich spreche dich von deinen Sünden frei!“ So kennen Sie vielleicht die Absolution samt Kreuzzeichen durch den Priester in der römisch-katholischen Messe. Dass protestantische Kirchen, besonders reformierte Kirchen, auch so etwas wie eine Absolution in ihrer Liturgie praktizieren, kommt Ihnen vielleicht komisch vor.

Nach römisch-katholischem Verständnis hat der Priester von Amts wegen die Autorität, Sünden effektiv zu vergeben. Der Glaube spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Das lehnen wir ab. Nach der Sicht der Reformatoren lehrt die Bibel eine dienende Autorität ihrer Amtsträger, keine absolute. Das heißt, der Pastor handelt im Gottesdienst stellvertretend für Christus. Er dient als sein Sprachrohr. Er selber hat keinerlei Autorität. Als ordinierter Pastor hat er jedoch eine abgeleitete Autorität, der glaubenden Gemeinde wirkungsvoll das zu sagen, was Jesus Christus, was das Wort Gottes sagt.

So ist die Absolution durch den Pastor im Gottesdienst kein Automatismus — nach dem Motto: „Dir sind deine Sünden vergeben! Ganz gleich, ob du glaubst oder nicht!“ Nein, damit die Absolution wirksam wird, muss der Hörer an das Evangelium glauben, das ihm verkündigt wurde.

Wenn er das aber tut, dann wird ihm die wöchentliche Absolution für seine Sünden, die Zusage der Vergebung, zu einem wohltuenden, gnadespendenden Erlebnis, das den Glauben stärkt.

Die Absolution ist eng verknüpft mit dem Amt der Schlüssel (vgl. Mt 16,19). Wie sagt es unserKatechismus so treffend?

Frage 83: Was ist das Amt der Schlüssel?

Antwort: Die Predigt des heiligen Evangeliums und die christliche Bußzucht. Durch diese beiden wird das Himmelreich den Gläubigen aufgeschlossen, den Ungläubigen aber zugeschlossen.

Frage 84: Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des heiligen Evangeliums auf- und zugeschlossen?

Antwort: Nach dem Befehl Christi wird allen Gläubigen verkündigt und öffentlich bezeugt, dass ihnen alle ihre Sünden von Gott um des Verdienstes Christi willen wahrhaftig vergeben sind, sooft sie den Zuspruch des Evangeliums mit wahrem Glauben annehmen. Dagegen wird allen, die den Glauben verwerfen oder heucheln, öffentlich bezeugt, dass der Zorn Gottes und die ewige Verdammnis auf ihnen liegen, solange sie sich nicht bekehren. Nach diesem Zeugnis des Evangeliums will Gott in diesem und im zukünftigen Leben urteilen.

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