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Die drei Merkmale einer gesunden Gemeinde

Man kann und muss die Frage nach den Erkennungsmerkmalen einer wahren, biblischen Kirche theoretisch aufdröseln. Doch sicherlich ist es ebenso hilfreich, solch eine gesunde Kirche, mitsamt den drei klassischen Merkmalen (notae ecclesiae) »in Aktion« zu sehen: wo das Wort Gottes, das Evangelium, lauter und rein gepredigt wird; wo die Sakramente nach Christi Einsetzung ausgeteilt werden; und wo die Kirchenzucht verstanden wird als die konsequente Seelsorge an und in der Gemeinde.

In der Lebensskizze einer faszinierenden Persönlichkeit, dem Pastor der Niederländisch-reformierten Gemeine Elberfeld, Hermann Friedrich Kohlbrügge – angefertigt durch Johannes Wichelhaus und ergänzt durch Eduard Böhl, seinen Schwiegersohn – finden wir eine zugegebenermaßen etwas ältere, aber doch bewegende Skizze gesunden kirchlichen Lebens, wie es nur allzu selten geworden ist.

Auf Seiten 16-17 lesen wir folgenden kurzen Bericht über die damals noch junge Niederländisch-reformierte Gemeine zu Elberfeld:

Wort und Sakrament wurden der Gemeine nach der guten alten reformierten Sitte zugedient. Was das Wort der Predigt anlangt, so war es freilich der Geist des Predigers nicht bloß, sondern der Heilige Geist, der dieses Wort beseelte, so daß Sonntag für Sonntag die Gemeine reichlich Nahrung hatte. Das heilige Abendmahl wurde an einem langen gedeckten Tische und zwar gemäß der apostolischen und der in Holland, Schottland, wie auch vielfach in Amerika üblichen Sitte sitzend gefeiert.

Die heilige Taufe wurde ausschließlich in der Kirche vor der versammelten Gemeine nach dem Hauptgottesdienst in einem Zwischenraum von sieben zu sieben Wochen bedient. Die eheliche Verbindung wurde nach der Abendpredigt vor der versammelten Gemeine nach dem Pfälzer Formular vorgenommen. Beim Begräbnis wurde jeder weltliche Prunk vermieden; der Reiche liegt wie der Arme unter dem gleichen schmucklosen Stein. Die bei der Bestattung vorfallende Rede hatte meist den Charakter einer Ermahnung an die Überlebenden.

Mit besonderem Ernste wurde die kirchliche Zucht in Übung gesetzt, denn ohne dieselbe wäre, indem man oben am Bauen beschäftigt war (durch Wort und Sakrament), unten alles wieder zerbröckelt. Dieser kirchlichen Zucht, die der Herr seiner Gemeine aufgetragen, und welche unser Heidelberger Katechismus (Frage 83-85) desgleichen lehrt, wurde an Reich und Arm, Hoch und Nied- rig geübt. Eine nicht geringe Erschütterung der noch jungen Gemeine ergab sich aus der Weigerung eines der angesehensten Glieder, solche Zucht auch an seinem Hause ausgeübt zu sehen. Die Gemeine bestand damals diese Feuerprobe; aber es gingen die Widerstrebenden von ihr aus, und ein Riß ging seitdem durch die Herzen Vieler und löste Bande, die für die Ewigkeit geknüpft schienen. Die Gemeine aber hatte eine Weile Frieden, indem sie erbaut wurde und wandelte in der Furcht des Herrn, und durch den Trost des Heiligen Geistes gemehrt ward.

Gebe Gott, dass wir wieder solche Gemeinden mit einem dreifachen Rückgrat haben!

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