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Die Ehre eines Märtyrers… auch wenn wir keine werden?

st-cyprian-of-carthage-detai-featured-w480x300In der Predigt am Sonntag über das Sendschreiben an die Gemeinde in Smyrna (Offb 2,8-11) wird es zentral um die Berufung der Christen zum Martyrium gehen. Für viele Christen ist das ein Thema, das weit weg zu sein scheint von ihrer Lebenswirklichkeit. Die Wenigsten von uns werden jemals ernstzunehmende Nachteile, geschweige denn Drangsal oder Verfolgung oder Tod aufgrund ihres Glaubens in Kauf nehmen müssen.

Welche Bedeutung und Relevanz haben dann die vielen neutestamentlichen Aufforderungen, unser Leben nicht zu lieben bis in den Tod, sondern vielmehr das Martyrium bereitwillig anzunehmen als Zeugen Christi?

Der bekannte Kirchenvater Cyprian (3. Jhdt.) diskutiert in seinen »Briefen an die Presbyter und Diakone« eine spannende Frage, nämlich: Was ist mit den Christen, die unter Christenverfolgung zwar ins Gefängnis geworfen wurden, aber dort eines natürlichen Todes sterben, aufgrund von Altersschwäche oder Krankheit, bevor sie Gelegenheit haben, ihren Glauben durch das Martyrium zu bezeugen? Werden sie so unverschuldet um die Ehre des Märtyrers gebracht?

Auch soll die eifrigste Wachsamkeit und Sorgfalt den Leichen aller zuteil werden, die im Kerker eines ruhmreichen Todes sterben, wenn sie auch nicht gefoltert worden sind! Denn auch ihre Tugend und Ehre ist groß genug, um sie gleichfalls der Zahl der seligen Märtyrer beizugesellen. Soviel an ihnen lag, haben sie all das ertragen, wozu sie gerüstet und bereit waren. Wer sich unter den Augen Gottes den Martern und dem Tode dargeboten hat, der hat gelitten, was er leiden wollte. Denn nicht er hat sich den Martern entzogen, sondern die Martern ihm. „Wer sich zu mir bekennen wird vor den Menschen, zu dem will auch ich mich bekennen vor meinem Vater [Matth. 10, 32]«, sagt der Herr. Und sie haben sich bekannt. „Wer ausharren wird bis ans Ende, der wird gerettet werden [Matth. 10, 22]«, sagt der Herr. Und sie haben ausgeharrt und das Verdienst ihrer Tugenden unverletzt und unbefleckt erhalten bis ans Ende. Und abermals steht geschrieben: „Sei getreu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone des Leben geben [Oftenb. 2, 10].« Bis in den Tod sind sie getreu und standhaft und unbesiegbar geblieben. Wenn nun zu unserem festen Willen und zu unserem Bekenntnis in Kerker und Banden schließlich auch noch der Tod hinzukommt, dann ist der Ruhm des Martyriums vollendet. (Brief 12.1)

Auch wenn der Kontext ein etwas anderer ist, denke ich, dass diese Frage sehr relevant ist für uns heute. Wir würden vielleicht eher fragen: Warum soll ein Christ stets bereit sein, sein Leben zu verlieren (Mt 10,39, getreu zu sein bis in den Tod (Offb 2,10), wenn er doch in Deutschland im 21. Jahrhundert wohl kaum tatsächlich für sein Zeugnis mit dem Leben bezahlen muss?

Ich denke, die Antwort Cyprians ist sehr weise und gilt auch für uns heute: »Soviel an ihnen lag, haben sie all das ertragen, wozu sie gerüstet und bereit waren. Wer sich unter den Augen Gottes den Martern und dem Tode dargeboten hat, der hat gelitten, was er leiden wollte.«

Es geht am Ende gar nicht so sehr darum, wie realistisch Christenverfolgung für uns in unserem Kontext wirklich ist, als vielmehr um unsere Haltung und Bereitschaft, sie zu ertragen.

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