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Die »Fünf Punkte des Calvinismus«

Letzte Woche habe ich eine kleine Predigtreihe mit dem Titel »Die fünf Punkte des Calvinismus« begonnen. Die erste Predigt trug den Titel „sündhaft durch und durch“. Darin ging es um den Menschen als Sünder. Die zweite Predigt steht unter der Überschrift: „bedingungslos erwählt“. Die dritte unter dem Titel: „persönlich gesühnt“. Die  vierte: „unwiderstehlich erneuert“. Und die letzte: „bis zum Ende bewahrt“. Das ist das Evangelium – von Anfang bis Ende.
Manchen werden diese Themen oder Punkte bekannt vorkommen. Sie sind Euch vielleicht schon mal begegnet als die so genannten „Fünf Punkte des Calvinismus“.

Ich bin nicht so begeistert von dieser Bezeichnung:
Ich bin erstens nicht so begeistert, von »Calvinismus« zu reden.
Nicht weil ich etwas an der Theologie Johannes Calvins auszusetzen hätte. Im Gegenteil! Ihr wisst, wie sehr ich ihn schätze und wie häufig ich ihn zitiere.
Aber am Ende interessiert uns als Reformierte nicht so sehr, was Calvin gesagt und gedacht hat, sondern vielmehr, was die reformierten Kirchen geglaubt und offiziell bekannt haben.
Ich halte es zweitens aber auch für problematisch, von »fünf Punkten« zu reden, als ob Reformiertsein irgendwie auf fünf Punkte reduziert werden könnte. Das kann es natürlich nicht!
Ich begegne regelmäßig Christen, die sich sich selbst so bezeichnen als „Calvinisten“. Da gibt es mittlerweile ja Gott sei Dank wieder meh davon, ja es gibt ganze Konferenzen, die sich wieder diesen Lehren widmen. Aber wenn man dann nachfragt, stellt man fest, dass diese Leute zwar diese fünf Punkte bekennen, aber dass sie oft im gleichen Atemzug z.B. die Kindertaufe ablehnen; dass sie die Sakramente nicht als Sakramente verstehen, nicht als Gnadenmittel; dass sie die Kirche verstehen als Versammlung von individuellen Gläubigen, nicht als Bundesgemeinschaft, wo die Kinder auch gehören; dass sie an ein wörtliches tausendjähriges Reich auf Erden glauben bevor oder nachdem Jesus wiederkommt; und dann behaupten sie vielleicht auch noch, dass Gott noch heute direkt zu ihnen spricht in Eingebungen, in prophetischer Rede, durch die so genannte Zungenrede oder andere Phänomene.

D.h. es gibt immer mehr „Calvinisten“, die außer den fünf Punkten so ziemlich alles ablehnen, was sonst als reformiert gilt und immer schon galt. Aber das geht nicht. Das geht deshalb nicht, weil diese Punkte Teil des reformierten Bekenntnisses insgesamt sind.
Und zu diesem Bekenntnis, das alle Reformierte teilen, gehören eben auch solche Dinge wie die Kindertaufe, wie die Sakramente als Gnadenmittel; wie der Bund zwischen Gott und Mensch; wie eine bestimmte Lehre von der Kirche, und so weiter. So hat etwa das reformierte „Niederländischen Bekenntnis“ nicht fünf sondern siebenunddreißig Punkte! Und alle sind wesentlich für den reformierten Glauben! Und alle hängen miteinander zusammen!

Das ist der große Unterschied zwischen „Fünf Punkte-Calvinisten“ und wirklich reformierten Christen: Reformierte haben ein reformiertes Bekenntnis in allen Fragen des Glaubens, nicht nur in fünf!

Diese Punkte herauszupicken geht auch deshalb nicht, weil diese fünf Punkte eine bestimmte Geschichte haben, woher sie kommen. Die fünf Punkte, wie wir sie kennen, wurden formuliert vor fast genau 400 Jahren auf der berühmten Dordrechter Synode in den Niederlanden. Und sie waren die Antwort der Reformierten auf eine damals neue Strömung: die so genannten „Arminianer“, benannt nach Jakob Arminius (1560-1609).

Die Arminianer waren der Meinung, dass reformierte Lehre nicht biblisch ist; dass der Mensch etwas salopp formuliert nicht ganz so übel dran ist; und dass Gott nicht ganz so souverän ist, wie die Reformierten das sagen.
Und diese Arminianer haben ihre Irrlehre verbreitet – Überraschung: in fünf Punkten.
Und die Reformierten haben nur darauf geantwortet mit ihren fünf Punkten. Diese Antwort haben wir bis heute in einem unserer Bekenntnisse: nämlich in der Dordrechter Lehrregel. Aber diese war nie ein eigenständiges Bekenntnis, sondern nur eine Klärung, eine Ergänzung. Deshalb ist es völlig widersinnig, aus den fünf Punkten heute ein eigenes Bekenntnis machen zu wollen.

Soweit meine Vorbemerkungen zu dieser kleinen Reihe. Hier geht es zu der Reihe, die D.v. am kommenden Sonntag fortgesetzt wird.

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