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Die Lesung des Gesetzes

Eine wichtige Entdeckung Martin Luthers, die wegweisend für sein Werk als Reformator wurde, ist, dass Gott uns Menschen durch die Bibel auf zwei Arten anredet.

Zum einen finden wir in der Heiligen Schrift Aussagen über das, was Gott – ohne unseren Beitrag – für uns getan hat oder noch tun wird. Luther fasste solche Verse unter dem Titel »Evangelium« zusammen.

Zum anderen hören wir die Stimme Gottes im »Gesetz«, wo sie die Menschen dazu aufruft etwas zu tun. Ein großer Teil der fünf Bücher Mose besteht in den Forderungen Gottes an sein Bundesvolk. Ebenso begegnen uns im Neuen Testament zahlreichen Passagen, in denen Gott seine Gemeinde zu einem bestimmten Verhalten auffordert

Dennoch zeigt sich eine Entwicklung im Verlauf der Heilsgeschichte: Die Gesetze rund um den alttestamentlichen Opferkult und die Regelungen für den israelitischen Staat haben mit dem Heilswerk Christi ihre Erfüllung gefunden. Diejenigen Gebote aber, die sich unmittelbar auf den Charakter Gottes stützen bleiben auch im Neuen Bund verbindlich. So kann der Apostel Petrus in seinem ersten Brief schreiben:

Wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben (3.Mose 19,2): »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«
(1.Petrus 1,15f)

Eine Zusammenfassung dessen, was es bedeutet, heilig zu sein finden wir in den Zehn Geboten (z.B. 2.Mose 20) oder, noch komprimierter, im Doppelgebot der Liebe (Mt 22,37–39).

Wenn nun diese Forderungen Gottes in der Gemeinde verkündet, und von Menschen gehört werden, erfüllen sie auch heute noch zwei wesentliche Aufgaben:

Zum Ersten stellen sie den Menschen in das Licht der Heiligkeit Gottes, überführen ihn von seiner eigenen Sündhaftigkeit und machen ihn somit bereit für das Evangelium von der Erlösung in Jesus Christus (vgl. Gal 3,22ff).

Zum Zweiten ist das Gesetz bei Christen der Maßstab für das neue Leben in der Nachfolge Christi. Aus Freude über die vollkommene Erlösung wollen sie gerne tun, was Gott in seinem Wort befielt. Wenn sich nun im Gottesdienst die Christen zur »Gemeinschaft der Heiligen« versammeln, ist es angebracht diesen zweiten Aspekt zu betonen. Aus diesem Grund nimmt die Lesung des Gesetzes normalerweise den Platz im Anschluss an den Zuspruch der Sündenvergebung ein. Nachdem wir unsere Sünden vor Gott bekannt, und die »Absolution« im Glauben empfangen haben, lenkt das Gesetz unsere Schritte auf den Weg der Dankbarkeit.

Deshalb lasst uns aufmerksam zuhören, wenn das Gesetz Gottes verlesen wird. Lasst uns die Gebote Gottes nicht als Last ansehen, sondern als eine Anleitung zum Ausdruck unserer Freude über eine großartige Erlösung.

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