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Die Sprache Kanaans

Im Juni 1854 hielt Hermann Friedrich Kohlbrügge in der Niederländisch-reformierten Gemeinde Wuppertal-Elberfeld eine Predigt mit dem Titel »Die Sprache Kanaan« (aus Jes. 19,18). Darin stellte er fest, dass das Volk Gottes seit jeher seine ganz eigene Sprache mitsamt einem ganz eigenen Vokabular hat. Es ist eine Sprache, so Kohlbrügge, »welche die Welt nicht versteht«, die für uns aber »so traulich und gemütlich, so wohlklingend ist und so fröhlich macht.«

Jahre lang, ja einige Jahrzehnte lang, hat die Gemeinde Jesu nun experimentiert damit, die »Sprache Kanaans« zu vernachlässigen und anstatt dessen die Sprache der Welt zu reden, ja der Welt nach dem Mund zu reden. Man behauptete, die Gemeinde solle so reden und ihren Gottesdienst gestalten, dass jedem Besucher – christlich oder nicht – sofort einleuchtet, was gesagt wird und was hier geschieht. Der (ungläubige) Mensch wurde zum Maßstab der Rede der Gemeinde, nicht das Wort Gottes. Und so hat man sich geradezu geschämt, Wort wie »Sühne«, »Sünde«, »Satan«, »Welt« (im negativen Sinne), »Fleisch«, »Wort Gottes«, etc. auszusprechen. Das sollte nicht so sein!

Unsere Sprache sollte nicht dem Lauf der Welt angepasst sein (Röm 12,2). Wir sind ein »besonderes« Volk. Unsere Staatsbürgerschaft ist im Himmel; wir sind »ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums«, damit wir »die Tugenden dessen« verkünden, der uns »aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht« (1Pet. 2,9). Wie wir es drehen uns wenden, wir –das Volk Gottes – reden ›komisch‹ (in den Augen der Welt). Was meine ich damit? Dass unsere Sprache mit Schibboleths gespickt sein sollte (vgl. Rich. 12,6)? Dass wir alle hebräisch reden sollten? Oder griechisch? Sicherlich nicht.

Doch wir sollten, insbesondere am »Tag des Herrn« (noch so eine Vokabel!), eine Sprache kultivieren, die der Sprache der Bibel entspricht.  »In Gnade und mit Salz gewürzt« soll unsere Rede sein (Kol. 4,6) –und explizit biblisch!

Lasst uns nicht zurückschrecken von der Sprache derer, die getauft sind und der neuen Gesellschaft Gottes angehören. Lasst uns weiterhin »zur Versammlung« kommen, unser »Votum« bringen, »den Herrn anrufen«, unsere Sünden »bekennen«, um »Erleuchtung« bitten, für das »Wort des lebendigen Gottes« danken, unser »Amen« bringen und uns »unter den Segen Gottes stellen«.

Kohlbrügge sagte auch, dass ein Kind Gottes weltweit sofort an der »Sprache Kanaans« erkannt werden konnte, während die, die ausschließlich die Sprache der Welt sprechen sich auch als Kinder der Welt offenbaren. Weiche Sprache sprechen wir in unseren Zusammenkünften?

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