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Durch Adams Fall ist ganz verderbt

Gute Kirchenlieder sind stets sehr nah am Buchstaben und am Geist der Heiligen Schrift.

Fast wie eine Paraphrase oder ein Kommentar zu Römer 5,12-21 liest sich in weiten Stücken das alte Trostlied »Durch Adams Fall ist ganz verderbt«, vertont beispielsweise durch Bach, Buxtehude und andere.

In den Worten von Lazarus Spengler (1479-1534) kommt die Adam-Christus-Typologie (»wie in Adam … so in Christus…«) des Römerbriefs, ja das ganze Evangelium sehr schön zum Ausdruck:

1. Durch Adams Fall ist ganz verderbt
menschlich Natur und Wesen;
dasselb Gift ist auf uns geerbt,
dass wir nicht konnten g‹nesen
ohn Gottes Trost, der uns erlöst 
hat von dem großen Schaden,
darein die Schlang Eva bezwang,
Gotts Zorn auf sich zu laden.

2. Wie uns nun hat ein fremde Schuld
in Adam all verhöhnet,
also hat uns ein fremde Huld
in Christus all versöhnet;
und wie wir all durch Adams Fall
sind ewgen Tods gestorben,
also hat Gott durch Christi Tod
verneut, was war verdorben.

3. So er uns denn sein Sohn geschenkt,
da wir sein Feind noch waren,
der für uns ist ans Kreuz gehenkt,
getöt‹, gen Himmel gefahren,
dadurch wir sein von Tod und Pein
erlöst, so wir vertrauen
auf diesen Hort, des Vaters Wort:
wem wollt vorm Sterben grauen? 

4. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort,
die Wahrheit und das Leben,
des Vaters Rat und ewigs Wort,
den er uns hat gegeben
zu seinem Schutz, dass wir mit Trutz
an ihn fest sollen glauben;
darum uns bald kein Macht noch G‹walt
aus seiner Hand wird rauben.

5. Wer hofft in Gott und dem vertraut,
der wird nimmer zuschanden;
denn wer auf diesen Felsen baut, 
ob ihm gleich geht zuhanden
viel Unfall hie, hab ich doch nie 
den Menschen sehen fallen,
der sich verläßt auf Gottes Trost;
er hilft sein‹ Gläubgen allen. 

6. Ich bitt, o Herr, aus Herzensgrund,
du wollst nicht von mir nehmen
dein heiligs Wort aus meinem Mund;
so wird mich nicht beschämen
mein Sünd und Schuld.
Denn in dein Huld
setz ich all mein Vertrauen;
wer sich nun fest darauf verläßt,
der wird den Tod nicht schauen.

7. Mein‹ Füßen ist dein heiligs Wort
ein Leuchte nah und ferne,
ein Licht, das mir den Weg weist fort;
so dieser Morgensterne
in uns aufgeht, so bald versteht 
der Mensch die hohen Gaben,
die Gottes Geist denen verheißt,
die Hoffnung darauf haben.

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