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Eduard Böhl über die Kirche bei den Erzvätern

Wirklich finden wir in Adams Hause die erste Gemeinde der Gläubigen, Mann, Weib, Kinder. Wir finden Gottes Wort, Kultus, Opfer und Religion, in aller Einfachheit zwar, aber völlig genügend. Wir finden, dass Adam Gott lobt und dankt (Gen 4,25), dass Eva sich im Herrn freut (Gen 4,1), und dass Beide darin dem Herrn gehorsam sind, dass sie den Zugang zum Baum des Lebens nicht erzwingen, sondern von der harten Erde ihr Brot essen und Kinder zeugen. Wir vernehmen, dass sie ihre Kinder die Opfer gelehrt und Zucht geübt, sofern sie Kain aus ihrem Hause ziehen ließen und, was ihnen schwer genug ankommen mochte, keine Gemeinschaft weiter mit ihm pflegten. Erst mit Seth atmen die lange gedrückten Eltern wieder auf, und weissagen einen Fortgang der Kirche (Gen 4,25).

Die Verderbnis, welche durch die Vermischung der kainitischen und sethitischen Linie auf Erden entstand, machte die Sintflut nötig – aber in Noahs Arche fand sich die neue Kirche zusammen, die alsbald durch das Wort, den Glauben an das Wort, speziell Jehova, den Gott Sems, sich betätigte und zusammengehalten ward. Bald nach der Sintflut sehen wir Noah Gott Opfer bringen auf der erneuerten Erde – es werden ihm gewisse Lebensordnungen bestätigt und eingeschärft, die dem Leben in der Gemeinschaft dienlich sind (Gen 9,1-6), und endlich wird dem Noah ein Bund nebst Bundeszeichen zu Teil, d. h. eine Garantie für jeglichen geistlichen und leiblichen Segen, mit welchem den Menschen zu überschütten Gott nicht aufhören will, solange die Erde steht (Gen 8 und 9). Im Opfer konzentriert sich der Kultus auch hier.

Enger gemacht wird diese Gemeinschaft mit Übergehung vieler Zweige an dem Ölbaum der Menschheit in der Zeit Abrahams. Wir streichen hier nicht in die Luft, wenn wir Abrahams Glauben erstlich in Beziehung zu Christus setzen; denn das Schlagwort „Same“ ist nach Gal 3,16 aus seiner Geschichte entnommen. Christus ist nach Mt 1,1 Sohn Abrahams. Abraham sah seinen Tag (Joh 8,56). Und von diesen Voraussetzungen aus verstehen wir erst Jesu Wort: Das Heil kommt von den Juden (Joh 4,22).

(Eduard Böhl, Von der Rechtfertigung durch den Glauben (1890), S.48-49)

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