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Eine konfessionelle Adventsmeditation

In der SERK praktizieren wir keine kirchlichen Feiertage in dem Sinne, dass wir dem Kirchenjahr folgen. Wir haben nicht die Freiheit, das Gewissen des Einzelnen zu binden durch außerbiblische Praktiken im Gottesdienst. 1 Aber wir nützen diese (Jahres-)Zeiten, um den entsprechenden heilsgeschichtlichen Ereignissen besonders zu gedenken. Das heißt, wir feiern keine Weihnachten in der Kirche, wohl aber gedenken wir besonders der Fleischwerdung Christi.

In Vorbereitung auf den Gottesdienst am Sonntag lade ich ein zu einer kleinen »adventlichen« Meditation über das Geheimnis der Fleischwerdung (Inkarnation) Jesu, und zwar anhand unserer Bekenntnisschriften, die eine gute Zusammenfassung der biblischen Lehre bieten. 2

Das apostolische Glaubensbekenntnis:

Ich glaube … an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, …

Das Nizäno-Konstantinopolitanum:

Wir glauben … an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.

Das Athanasianum:

Wir glauben und bekennen, dass unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, zugleich Gott und Mensch ist. Gott ist er aus der Wesenheit des Vaters, vor den Zeiten gezeugt, und Mensch ist er aus der Wesenheit der Mutter, in der Zeit geboren. Vollkommener Gott, vollkommener Mensch, bestehend aus einer vernünftigen Seele und menschlichem Fleisch. Dem Vater gleich der Gottheit nach, geringer als der Vater der Menschheit nach. Doch obwohl er Gott und Mensch ist, sind es nicht zwei, sondern ein Christus. Einer aber nicht dadurch, dass die Gottheit in Fleisch verwandelt worden wäre, sondern dadurch dass Gott die Menschheit angenommen hat. Er ist ganz und gar einer nicht durch eine Vermischung der Wesenheit, sondern durch die Einheit der Person.

Das Niederländische Glaubensbekenntnis, Artikel 18 – Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes:

Wir bekennen daher, dass Gott die Verheißung, die den Vätern durch den Mund der heiligen Propheten gemacht war, erfüllt hat, als er in der von ihm bestimmten Zeit diesen seinen einzigen und ewigen Sohn in diese Welt schickte. Er hat die Gestalt eines Knechtes an sich genommen und ist gleich wie ein anderer Mensch geworden und hat wahrhaft menschliche Natur mit allen ihren Schwachheiten (die Sünde ausgenommen) wahrhaft angenommen, als er empfangen wurde im Schoß der heiligen Jungfrau Maria, durch Kraft des Heiligen Geistes, ohne alle Einwirkung eines Mannes. Diese menschliche Natur nahm er ferner nicht bloß hinsichtlich des Körpers, sondern auch hinsichtlich der Seele an, denn er war mit einer wahrhaft menschlichen Seele begabt, so dass er ein wahrer Mensch war. Denn da die Seele nicht weniger als der Körper selbst der Verdammnis schuldig war, so war es notwendig, dass er diesen so wie jene annahm, damit er beide zugleich erlöste. Deshalb bekennen wir gegen die Ketzerei der Anabaptisten, die da leugnen, dass Christus menschliches Fleisch angenommen habe, dass Christus desselben Fleisches und Blutes teilhaftig gewesen ist wie auch die Kinder, aus den Lenden Davids dem Fleisch nach, geworden von dem Samen Davids nach dem Fleisch, eine Frucht aus dem Leib der Jungfrau Maria, aus einer Frau geboren, Spross Davids, Zweig vom Stamm Isais aus dem Stamm Juda und von den Juden selbst herstammend nach dem Fleisch und überhaupt wahrer Samen Abrahams und Davids, da er den Samen Abrahams an sich nahm und seinen Brüdern in allem gleich geworden ist, die Sünde ausgenommen, geboren aus der Maria, so dass er auf diese Weise wahrhaft geworden ist unser Immanuel, das heißt »Gott mit uns«.

Der Heidelberger Katechismus, Sonntag 14:

Frage 35: Was bedeutet: Empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria?

Der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist und bleibt, hat durch Wirkung des Heiligen Geistes wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria angenommen, so dass er auch der wahre Nachkomme Davids ist, seinen Schwestern und Brüdern in allem gleich, doch ohne Sünde.

Frage 36: Was nützt es dir, dass er durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren ist?

Er ist unser Mittler, und er bedeckt vor Gottes Angesicht mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, in der ich immer schon lebe.

Und zuguterletzt, Jesaja 9,1-6:

Das Volk, das in der Finsternis wandelt, hat ein großes Licht gesehen; über den Bewohnern des Landes der Todesschatten ist ein Licht aufgeleuchtet. Du hast das Volk vermehrt, hast seine Freude groß gemacht; sie werden sich vor dir freuen, wie man sich in der Ernte freut, wie die Sieger jubeln, wenn sie Beute verteilen. Denn du hast das Joch zerbrochen, das auf ihm lastete, und den Stab auf seiner Schulter, und den Stecken seines Treibers, wie am Tag Midians. Denn jeder Stiefel derer, die gestiefelt einherstapfen im Schlachtgetümmel, und jeder Mantel, der durchs Blut geschleift wurde, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-vater, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, daß er es gründe und festige mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies tun!

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Fußnoten:

  1. »Weihnachten« als solches ist kein biblischer Brauch; der Weihnachtsbaum sicherlich auch nicht; etc.
  2. Die Zitate aus den Bekenntnissen sind nur eine Auswahl; ich zitiere nicht alles, was darin über die Inkarnation gesagt wird.
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