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Einige praktische Hinweise zum Almosengeben

Habt acht, dass ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gepriesen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen. Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen ist. Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, er wird es dir öffentlich vergelten. (Mt 6,1–4)

In der Predigt über Matthäus 6,1–4 vom vergangenen Sonntag habe ich viel Zeit für das Prinzip aufgewandt, das unser Herr Jesus Christus in Vers 1 darlegt. Im zweiten Teil habe ich festgestellt, dass die Praxis des Almosengebens keine spezifisch christliche ist. Man findet sie explizit im Judentum, aber auch im Islam und selbst im Heidentum. Im dritten Teil habe ich die Haltung und Motivation behandelt, mit der wir Almosen geben sollen.

Manche fragen sich nun vielleicht: Gibt es konkrete Maßstäbe oder biblische Richtlinien für diese Praxis des Almosengebens, d.h. der finanziellen, materiellen Unterstützung Bedürftiger Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde?

Hier möchte ich gerne ein paar praktische Hinweise nachliefern, wie Nachfolger Jesu – die »Bürger des Himmelreichs« an die sich Jesus Christus in der Bergpredigt richtet – Almosen geben sollen. (Anmerkung: dies ist keine Betrachtung der Praxis des biblischen »Zehnts«, auch wenn sich die beiden Bereiche natürlich überschneiden).

1. Wir sollen Almosen geben.

Jesus Christus setzt dies in der Bergpredigt voraus und baut damit auf die alttestamentliche Praxis auf (Deut 15,7-10). Auch sonst setzt Jesus voraus, dass seine Nachfolger den Armen und Bedürftigen geben, was ihnen mangelt (Mt 14,16; Mk 10,21; Mk 14,7).

2. Der Akt der Barmherzigkeit des Almosengebens entspricht der Barmherzigkeit Gottes.

Die Bergpredigt steht unter der Überschrift der »besseren Gerechtigkeit« der Jünger Jesu; besser als die der Pharisäer und Gesetzesgelehrten (Mt 5,20). Diese basiert auf einer »eschatologischen« Vollkommenheit, d.h. einer Vollkommenheit, die wir schon haben – in Christus! – aber noch nicht in dieser Welt und Zeit. »Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist!« (Mt 5,48) Dies ist mehr als nur ein Anklang an 3Mos 19″…wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!«« (1Pet 1,15–16) Wir sollen barmherzig sein, weil Gott es ist; und umgekehrt: wenn wir es sind, dann sieht die Welt, wie Gott ist!

3. Wir sollen allen (Arten von) Menschen Almosen geben.

Gegen die, die sagen, »Ich gebe Almosen nur den bedürftigen Geschwistern in der Gemeinde!« ist die Aufforderung Jesus anzuführen, dass wir »Söhne [unseres] Vaters im Himmel« sein sollen. »Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?« (Mt 5,45–46) Gott braucht unsere Almosen nicht, aber unser Nächster vielleicht schon! Zur Frage, wer denn mein Nächster ist, vgl. die Begegnung zwischen Jesus und dem Gesetzesgelehrten in Lukas Kap. 10, der das Gesetz gut kennt und zitiert: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst!« Jesus antwortet ihm: »Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben!« Worauf hin wir lesen: »Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?« (Lk 10,29). Darauf erzählt Jesus das bekannte Gleichnis vom barmherzigen Samariter, mit der Pointe, dass unser Nächster jeweils der Bedürftige ist, den Gott uns in den Weg stellt.

3. Wir sind nicht für alle Armut der Welt zuständig.

Andererseits kann der zuletzt genannte Punkt den Druck erzeugen bei Nachfolgern Jesu, für die Sorgen und Bedürfnisse der Armen der ganzen Welt aufkommen zu müssen und niemals ruhen zu können, solange es noch einen einzigen Armen in unserer Nachbarschaft gibt. Dieses Anliegen scheint Jesus aber schon zu relativieren in Mk 14: »[…] die Armen habt ihr allezeit bei euch, und ihr könnt ihnen Gutes tun, wann immer ihr wollt; mich aber habt ihr nicht allezeit« (Mk 14,7). Nicht alle Armen der Welt sind automatisch auch unsere »Nächsten« (siehe oben).

4. Unsere Almosen sollen besonders der Gemeinde zugute kommen.

Im Zusammenhang mit Punkt 3 müssen wir festhalten, dass nach der Lehre des Neuen Testamentes der Schwerpunkt in der Bedürftigenunterstützung (der Diakonie) nicht auf denen legt, die außerhalb der Gemeinde, also in der ›Welt‹ sind, sondern auf denen innerhalbder Gemeinde. Der Apostel Paulus schreibt in Galanter 6: »Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht ermatten. So lasst uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens« (Gal 6,9–10; Hervorhebung hinzugefügt). Und sich in Römer 15 wird von einer Kollekte berichtet, die in erster Linie »eine Sammlung für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem« ist (Röm 15,26). Auch die großangelegte »Jerusalemer Sammlung«, von der der Apostel in 2. Korintherbrief, Kap. 9 berichtet, ist ein »Dienst für die Heiligen« (2Kor 9,1) und »füllt …  den Mangel der Heiligen aus« (V.12). Das bedeutet praktisch, dass die finanziellen Gaben des Christen zum allergrößten Teil an die Gemeinde Jesu gehen sollten, wo sie auch für die Unterstützung Bedürftiger verwandt werden.

5. Almosen zu geben steht und fällt mit der richtigen Haltung.

Das Almosengeben an sich ist noch keine gute Tat (vgl. Mt 5,46; 6,2–3)! Es kommt auf die Haltung und das Ziel an. Das Ziel ist die Ehre Gottes! Die Haltung oder Motivation, die wir in der Schrift finden, ist eine doppelte:

Erstens, wir sollen Almosen geben aus dem Glauben heraus (2Kor 9,5-11). Wir geben nicht lediglich aus dem Überfluss, der in unseren Sparstrumpf wandert, sondern im gläubigen Vertrauen auf die zukünftige Versorgung Gottes. So werden wir bereit, nicht nur zu geben, was uns ohnehin nicht schmerzt, sondern auch aufopferungsbereit zu geben.

Zweitens, wir sollen Almosen geben mit Freude. Wir sollen so geben, »dass [die Gabe] eine Segensgabe ist und nicht eine Gabe des Geizes.« Dabei sollen wir das Prinzip bedenken: »Wer kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer im Segen sät, der wird auch im Segen ernten.« Deshalb soll jeder so geben, »wie er es sich im Herzen vornimmt; nicht widerwillig oder gezwungen, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!«  (2Kor 95–7)

6. Almosen zu geben ist ein Zeichen geistlicher Reife.

Letzteres stimmt natürlich nur, wenn die obigen Punkte erfüllt sind: Wenn wir die biblische Pflicht anerkennen, weil wir damit unserem Vater im Himmel nacheifern; wenn wir bereit sind, allen Menschen Gutes zu tun, insbesondere aber denen in der Familie der Gemeinde Jesu; jederzeit bereit, dem »Nächsten« zu geben, ohne ein ständig schlechtes Gewissen, dass wir nicht allen Armen der Welt helfen können; wenn wir zur Ehre Gottes geben, mit einer Haltung des Glaubens und der Freude während wir es tun; und wenn wir dabei die linke Hand nicht wissen lassen, was die rechte tut (Mt 6,3), sondern alles vor dem Vater im Himmel tun, der ins Verborgene sieht (6,4), dann geben wir wirklich christliche Almosen, die Gott wohlgefällig sind.

Lass uns das als Gemeinde tun, zum Wohl der Welt, zum Wohl der Geschwister und zur höheren Ehre Gottes!

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