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Einige Stimmen zum Heidelberger Katechismus

In der Vorrede zu dem von ihm verfassten »Genfer Katechismus« sagt Johannes Calvin:

Man hat in der Kirche immer darauf geachtet und dafür gesorgt, dass die Kinder in der christlichen Lehre gehörig unterrichtet würden. Damit dies desto leichter geschehen könne, hat man vorzeiten nicht nur Schulen eröffnet, und einem jeden befohlen, seine Hausgenossen wohl zu unterweisen, sondern es ist auch als eine öffentliche Veranstaltung Sitte geworden, die Kinder in der Kirche über diejenigen Lehrstücke zu befragen, welche allen Christen gemein und bekannt sein müssen.. Damit dies aber ordentlich geschehe, setzte man ein Formular auf, welches Katechismus oder Unterweisung genannt wurde.

Calvins Wunsch war also, dass ein Katechismus gefunden werde, den alle oder viele reformierten Kirchen gemeinsam haben. In seiner Widmung seines Katechismus „an die treuen Diener welche in Ostfriesland die reine Lehre des Evangeliums verkündigen“ wiederholt er diesen Wunsch (1545):

Es wäre nicht nur zu wünschen, dass eine vollkommene Übereinstimmung in der Lehre von der Gottseligkeit unter allen bestände, sondern auch, dass alle Kirchen einerlei Katechismus hätten. Allein da es aus vielen Ursachen schwerlich jemals dahin wird gebracht werden, dass nicht jede Kirche ihre eigene Form haben sollte, so mag man deshalb nicht streiten; nur sei die Verschiedenheit der Lehrweise so beschaffen, dass wir alle zu dem einen Christus hingeführt werden, und durch seine Wahrheit untereinander verbunden, so zu einem Leibe und zu einem Geiste verschmelzen, dass wir alles, was die Hauptpunkte des Glaubens betrifft, mit einem Munde verkündigen.

Heinrich Bullinger, ebenfalls ein schweizerischer Reformator und Vorsteher der Züricher Kirche, hegte die Hoffnung, der Heidelberger Katechismus könne solch ein Dokument werden. Er sagte über diesen Katechismus:

Den Katechismus des erlauchten Herrn und Kurfürsten Friedrich habe ich mit großer Aufmerksamkeit gelesen und beim Lesen Gott herzlich gedankt, der das Werk, welches er angefangen, auch bekräftigt. Die Anordnung des Buches ist übersichtlich, die Lehren sind rein und der Wahrheit gemäß dargelegt. Alles ist deutlich und erbaulich; in knapper Form ist ein reicher Inhalt zusammengedrängt. Ich halte dafür, dass ein besserer Katechismus nicht erschienen ist.

Otto Thelemann, Theologe und Publizist, kommentiert dazu in seinem Buch „Handreichung zum Heidelberger Katechismus“ (1887/92):

Wenn auch nur annähernd, so doch am meisten ist jener Wunsch Calvins durch den Heidelberger Katechismus erfüllt worden, da derselbe nicht bloß in allen deutschen reformierten Kirchen (auch außerhalb Deutschlands, besonders in der deutschen Schweiz, später auch in Nordamerika) und den Kirchen der Niederlande als Lehrbuch für die Jugend Annahme fand, sondern auch auf dem reformiertern Konzil zu Dordrecht (1618) die Zustimmung der reformierten Kirchen aller Länder erhielt. Und wir dürfen wohl sagen, dass der Genfer Katechismus von dem Heidelberger, der freilich auch auf seinen Schultern steht, übertroffen ist.

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