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Form das heilige Abendmahl zu halten (1563)

Die Pfälzer Kirchenordnung von 1563 ist ein wichtiger Vorläufer unserer Kirchenordnung. Sie beinhaltet neben typischen »Kirchenordnungsparagraphen« auch den Heidelberger Katechismus, eingebettet auf halbem Wege zwischen der Anleitung für die Kindertaufe und der für das Abendmahl.
Daneben finden sich auch Formulare zu allerlei gottesdienstlichen Zwecken (Taufe, Abendmahl, Eheschließung, Ordination etc.)

Unten finden Sie das Formular – »Form das heilige Abendmahl zu halten« – in leicht überarbeiteter Fassung (v.a. archaische Schreibweisen).
Und hier zwei Versionen des Originals der Kirchenordnung von 1563:

Pfälzer Kirchenordnung von 1563 (pdf, neuer Schriftsatz)
Pfälzer Kirchenordnung von 1563 (Scan des Originals)

 


Form das heilige Abendmahl zu halten

Ihr Geliebte in dem Herrn Jesu Christo, höret an die Worte der Einsetzung des heiligen Abendmahls unsers Herrn Jesu Christi, welche uns beschreibt der heilige Apostel Paulus in der ersten Epistel an die Korinther am elften Kapitel:

Ich habe es von dem Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe; denn der Herr Jesus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankete und brach’s, und sprach: „Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird, solches tut zu meiner Gedächtnis“. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl, und sprach: „Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meiner Gedächtnis“. Denn so oft ihr von diesem Brot esset, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß Er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brot isset, oder von dem Kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe sich aber selbst, und also esse er von diesem Brot, und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket sich selber ein Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn.

Auf daß wir nun zu unserm Trost des Herrn Nachtmahl mögen halten, ist uns vor allen Dingen vonnöten, daß wir uns zuvor recht prüfen. Zum andern, daß wir es dahin richten, dazu es der Herr Christus verordnet hat, nämlich zu seiner Gedächtnis.

Die wahre Prüfung unser selbst besteht in diesen dreien Stücken:

Zum ersten bedenke ein Jeder bei sich selbst seine Sünde und Vermaledeiung, auf daß er sich selbst mißfalle, und sich vor Gott demütige, dieweil der Zorn Gottes wider die Sünde also groß ist, daß er dieselbige, ehe denn er sie ungestraft ließ hingehen, an seinem lieben Sohn Jesu Christo mit dem bittern und schmählichen Tod des Kreuzes gestraft.

Zum andern erforsche ein Jeder sein Herz, ob er auch dieser gewissen Verheißung Gottes vertraue, daß ihm alle seine Sünden allein um des Leidens und Sterbens Jesu Christi willen vergeben sind, und die vollkommene Gerechtigkeit Christi ihm als sein eigen zugerechnet und geschenket sei, als wenn er selbst in eigener Person für alle seine Sünden bezahlt, und alle Gerechtigkeit erfüllet hätte.

Zum dritten erforsche ein Jeder sein Gewissen, ob er auch gesinnet sei, forthin mit seinem ganzen Leben Gott dem Herrn sich dankbar zu erzeigen, und vor dem Angesichte Gottes aufrichtig zu wandeln? Ob er ohne Gleißnerei aller Feindschaft, Neid und Haß von Herzen absage, und einen ernstlichen Vorsatz habe, hernachmals in wahrer Lieb und Einigkeit mit seinen Nächsten zu leben.

Die nun also gesinnet sind, die will Gott gewißlich zu Gnaden annehmen, und für würdige Tischgenossen seines Sohnes Jesu Christi erkennen.

Dagegen aber, die dieses Zeugnis in ihrem Herzen nicht empfinden, die essen und trinken sich selbst ein Gericht. Derhalben wir auch nach dem Befehl Christi und des Apostels Pauli alle, die sich mit nachfolgenden Lastern behaftet wissen, von dem Tisch des Herrn abmahnen, und ihnen verkündigen, daß sie kein Teil am Reiche Christi haben: als da sind alle Abgöttische, alle so verstorbene Heilige, Engel, oder andere Kreaturen anrufen, die Bilder verehren, alle Zauberer und Wahrsager, die Vieh und Leute samt andern Dingen segnen, und die solchem Segen Glauben geben, alle Verächter Gottes und seines Wortes und der heiligen Sakramente, alle Gotteslästerer, alle die Spaltung und Meuterei in Kirchen und weltlichem Regiment begehren anzurichten, alle Meineidige, alle die ihren Eltern und Obrigkeiten ungehorsam sind, alle Totschläger, Balger, Haderer, die in Neid und Haß wider ihren Nächsten leben, alle Ehebrecher, Hurer, Vollsäufer, Diebe, Wucherer, Räuber, Spieler, Geizige, und alle die, so ein ärgerliches Leben führen. Diese alle, so lange sie in diesen Lastern beharren, sollen gedenken, und sich dieser Speise, welche Christus allein seinen Gläubigen verordnet hat, enthalten, auf daß nicht ihr Gericht und Verdammnis desto schwerer werde.

Dies aber wird uns nicht vorgehalten, geliebte Brüder und Schwestern in dem Herrn, die zerschlagenen Herzen der Gläubigen kleinmütig zu machen, als ob Niemand zum Abendmahl des Herrn gehen möchte, denn die ohne Sünden wären. Denn wir kommen nicht zu diesem Abendmahl, damit zu bezeugen, daß wir vollkommen und gerecht sind in uns selbst, sondern dagegen, weil wir unser Leben außerhalb uns in Christo suchen, bekennen wir, daß wir mitten in dem Tode liegen. Laßt uns also wohl verstehen und daran festhalten, daß dies Sakrament eine Arznei ist für Kranke und Bekümmerte, und daß die Würdigkeit, welche Gott von uns fordert, allein darin besteht, daß wir uns ungeheuchelt also anerkennen wie wir sind, über unsere Sünden Schmerz und Traurigkeit empfinden und all unsere Freude und Lust in Christum setzen. Derhalben, wiewohl wir von dem allen, was Gottes Gesetz von uns fordert, nur das Widerspiel sehen, als da ist, daß wir keinen Glauben haben, daß wir auch keinen Eifer zu dem Dienste Gottes, so wir ihm schuldig sind, in uns befinden, sondern tagtäglich mit der Nichtigkeit unseres Glaubens und mit den bösen Lüsten unseres Fleisches zu streiten haben: dennoch, weil durch die Barmherzigkeit Gottes und Gnade des heiligen Geistes alle unsere Sünden uns von Herzen leid sind, und wir herzlich begehren trotz unseres Unglaubens an Gnade festzuhalten, um nach allen Geboten Gottes zu leben, sollen wir gewiß und sicher sein, daß keine Sünde noch Verdrehtheit, so noch vor und nach wider das Gesetz unseres Gemüts in unsern Gliedern ist, hindern kann, daß uns Gott nicht zu Gnaden annehme, und also dieser himmlischen Speis und Trank würdig und teilhaftig mache.

Zum andern, so laßt uns nun auch betrachten, wozu uns der Herr sein Abendmahl habe eingesetzt, nämlich: daß wir solches tun zu seiner Gedächtnis.

Also sollen wir aber Seiner dabei gedenken:
Erstlich, daß wir gänzlich in unserm Herzen vertrauen, daß unser Herr Jesus Christus laut der Verheißung, welche den Erzvätern von Anbeginn geschehen, vom Vater in diese Welt gesandt sei, unser Fleisch und Blut an sich genommen, den Zorn Gottes, unter dem wir ewiglich hätten müssen versinken, von Anfang seiner Menschwerdung bis zum Ende seines Lebens auf Erden für uns getragen und allen Gehorsam des göttlichen Gesetzes und Gerechtigkeit für uns erfüllet: vornehmlich da ihm die Last unserer Sünden und der Zorn Gottes den blutigen Schweiß im Garten ausgedrückt hat, da ist er gebunden worden, auf daß er uns entbinde; darnach unzählige Schmach erlitten, auf daß wir nimmer zu Schanden würden; unschuldig zum Tod verurteilt, auf daß wir vor dem Gerichte Gottes freigesprochen würden; ja seinen gebenedeiten Leib ans Kreuz lassen nageln, auf daß er die Handschrift unserer Sünden daran nagelte; und hat also die Vermaledeiung von uns auf sich geladen, auf daß er uns mit seiner Benedeiung erfüllete; und hat sich erniedriget bis in die allertiefste Schmach und höllische Angst Leibes und der Seelen am Stamme des Kreuzes, da er schrie mit lauter Stimme: „Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen?“ auf daß wir zu Gott genommen und nimmermehr von ihm verlassen würden. Endlich mit seinem Tod und Blutvergießen das neue und ewige Testament, den Bund der Gnaden und Versöhnung beschlossen, wie er gesagt hat: Es ist vollbracht.

Damit wir aber festiglich glauben, daß wir in diesen Gnadenbund gehören, nahm der Herr Jesus in seinem letzten Abendmahl das Brot, dankete, brach’s, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, das tut zu meiner Gedächtnis. Desselbigen gleichen nach dem Abendmahl nahm er den Kelch, sagte Dank, und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus, dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch und für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut so oft ihr’s trinket zu meiner Gedächtnis. Das ist, so oft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr dadurch als durch ein gewisses Gedächtnis und Pfand erinnert und versichert werden dieser meiner herzlichen Liebe und Treue gegen euch, daß ich für euch, die ihr sonst des ewigen Todes hättet sterben müssen, meinen Leib am Stamme des Kreuzes in den Tod gebe und mein Blut vergieße, und euere hungerige und durstige Seelen mit demselben meinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut zum ewigen Leben speise und tränke, so gewiß als einem Jeden dies Brot vor seinen Augen gebrochen und dieser Kelch ihm gegeben wird, und ihr dieselbigen zu meiner Gedächtnis mit eurem Munde esset und trinket.

Aus dieser Einsetzung des heiligen Abendmahls unsers Herrn Jesu Christi sehen wir, daß er unsern Glauben und Vertrauen auf sein vollkommen Opfer, einmal am Kreuz geschehen, als auf den einigen Grund und Fundament unserer Seligkeit weiset, da er unsern hungrigen und durstigen Seelen zur wahren Speise und Trank des ewigen Lebens worden ist. Denn durch seinen Tod hat er die Ursach unsers ewigen Hungers und Kummers, nämlich die Sünde, hinweggenommen und uns den lebendigmachenden Geist erworben, auf daß wir durch denselben Geist, der in Christo als dem Haupt und in uns als seinen Gliedern wohnet, wahre Gemeinschaft mit ihm hätten und aller seiner Güter, ewigen Lebens, Gerechtigkeit und Herrlichkeit teilhaftig würden.

Darnach, daß wir auch durch denselbigen Geist untereinander als Glieder Eines Leibes in wahrer brüderlicher Liebe verbunden würden, wie der heilige Apostel spricht: Ein Brot ist es, so sind wir Viele Ein Leib, dieweil wir Alle Eines Brotes teilhaftig sind. Denn wie aus vielen Körnlein Ein Mehl gemahlen und Ein Brot gebacken wird, und aus vielen Beerlein zusammengekeltert Ein Wein und Trank fleußt, und sich in einander menget: also sollen wir alle, so durch wahren Glauben Christo eingeleibt sind, durch brüderliche Liebe um Christi unseres lieben Heilandes willen, der uns zuvor so hoch geliebet hat, allzusammen Ein Leib sein, und solches nicht allein mit Worten, sondern mit der Tat gegeneinander beweisen. Das helfe uns der allmächtige, barmherzige Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, durch seinen heiligen Geist, Amen.

Laßt uns beten:
Barmherziger Gott und Vater, wir bitten dich, daß du in diesem Abendmahl, in welchem wir begehen die herrliche Gedächtnis des bittern Todes deines lieben Sohnes Jesu Christi, durch deinen heiligen Geist in unsern Herzen wollest wirken, daß wir einverleibt sein mögen deinem Sohne Jesu Christo, auf daß unsere mühseligen und zerschlagenen Herzen mit seinem wahren Leib und Blut, ja mit ihm wahren Gott und Menschen, dem ewigen Himmelsbrot, durch die Macht des heiligen Geistes gespeiset und erquicket werden, auf daß wir nicht mehr in unsern Sünden, sondern Er in uns, und wir in Ihm leben, und wahrhaftig des neuen und ewigen Testaments und Bundes der Gnaden also teilhaftig seien, daß wir nicht zweifeln, daß du ewiglich unser gnädiger Vater sein wollest, uns unsere Sünden nimmermehr zurechnen, und uns in allein an Leib und Seele versorgen wie deine lieben Kinder und Erben. Verleihe uns auch deine Gnade, daß wir getrost unser Kreuz auf uns nehmen, uns selbst verleugnen, unsern Heiland bekennen und in aller Trübsal mit aufgerichtetem Haupt unsern Herrn Jesum Christum aus dem Himmel erwarten, der unsere sterblichen Leiber seinem verklärten herrlichen Leibe gleichförmig macht und uns zu ihm nehmen wird in Ewigkeit. Amen.

Unser Vater im Himmel …

Du wollest uns auch durch dies heilige Abendmahl stärken in dem allgemeinen ungezweifelten christlichen Glauben, von welchem wir Bekenntnis tun mit Mund und Herzen, sprechend:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen …

Auf daß wir nun mit dem wahren Himmelsbrot Christo gespeiset werden, so laßt uns mit unsern Herzen nicht an dem äußerlichen Brot und Wein haften, sondern unsere Herzen und Glauben über sich in den Himmel erheben, da Christus Jesus ist unser Fürsprecher zur Rechten seines himmlischen Vaters, dahin uns auch die Artikel unsers christlichen Glaubens weisen, und nicht zweifeln, daß wir so wahrhaftig durch die Wirkung des heiligen Geistes mit seinem Leib und Blut an unsern Seelen gespeiset und getränket werden, als wir das heilige Brot und Trank zu seiner Gedächtnis empfangen.

Hier soll der Kirchendiener einem jeden vom Brot des Herrn brechen und ihm darreichen, sprechend:

Das Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft des Leibes Christi.

Und der andere Kirchendiener im Darreichen des Kelch sprechen:

Der Kelch der Danksagung, damit wir danksagen, ist die Gemeinschaft des Blutes Christi.

In dem soll nach Gelegenheit der Menge der Kommunikanten, auch nach Gestalt einer jeden Kirche, unter der Kommunion entweder gesungen oder etliche Kapitel zum Gedächtnis des Todes Christi dienstlich, als 14., 15., 16., 17., 18. Johannes und 53. Jesaja gelesen werden, und mag hierin gebracuth werden, welches jeder Kirche am füglichsten und erbaulichsten ist.

Nach verrichteter Kommunion soll der Diener sprechen:

Ihr Geliebten in dem Herrn, dieweil jetzund der Herr an seinem Tisch unsere Seelen gespeiset hat, so lasset uns sämtlich mit Danksagung seinen Namen preisen, und spreche ein Jeder in seinem Herzen also:

Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat! Der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben von dem Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte; er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Missetat; denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten; so weit als der Aufgang der Sonne ist vom Niedergang, also weit tut er unsere Übertretung von uns. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten; welcher auch seines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern hat ihn für uns Alle dahin gegeben, und uns Alles mit ihm geschenket. Darum beweiset Gott seine Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren, so werden wir vielmehr durch ihn behalten werden vor dem Zorn, nachdem wir durch sein Blut gerecht worden sind. Denn so wir Gott versöhnet sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren: vielmehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir ihm versöhnet sind. Darum soll mein Mund und Herz des Herrn Lob verkündigen von nun an bis in Ewigkeit! Amen.

Oder also:

Almächtiger barmherziger Gott und Vater, wir danken dir von ganzem Herzenm dass Du aus grundloser Barmherzigkeit uns deinen eigeborenen Sohn zum Mittler und Opfer für unsere Sünd und zur Speise und Trank des ewigen Lebens gechenket hast, und gibst uns wahren Glauben, dadurch wir solcher deiner teilhaftig werden, hast uns auch zu Stärkung desselben deinen lieben Sohn Jesum Christum sein heiliges Abendmahl einsetzen lassen: Wir bitten dich, getreuer Gott und Vater, du wollest durch Wirkung deines Geists uns dieses Gedächtnis unseres Herrn Jesus Christus und Verkündigung seines Todes zu täglichem Zunehmen in wahrem Glauben und der seligen Gemeinschaft Christi gedeihen lassen, durch denselben deinen lieben Sohn Jesum Christum. Amen.

Dieweil aber zu rechter und gottseliger Administration und Übung der heiligen Sakramente nicht allein gehört, dass sie auf solche Weise wie von Gott verordnet, und dazu sie von ihm eingesetzt, gehalten, sondern auch dass sie nicht solchen Personen gereicht werden, welche er dazu lassen verboten hat: So ist vonnöten, dass die christliche Exkommunikation in den Kirchen nicht allein mit Worten geschehe, sondern auch mit der Tat vollzogen werde. Das ist, so etliche in der Gemeinde mit gotteslästerlicher Lehre oder schweren Lastern behaftet werdenm dass diese zum Nachtmahl des Herrn nicht zugelassen werden, bis sie Besserung erzeigen. Und wie es die ehrhafte Not erfordert, dass die christliche Kirch von dem unträglichen Mutwillen und der greulichen Tyrannei des päpstlichen Bannes, damit der Papst und sein Haufe alles under seine Füße geworfen hat, entledigt würde. Also weil nicht allein das Böse ausgerottet und eingerissen, sondern auch das Gute an die Statt gepfalnzt und gebaut werden soll, ist auch nicht minder notwendig, dass ein christlicher und rechtmäßiger Bann von wegen des Befehls Christi, Matth. am 18. und der Kirchen Heil und Notdurft in der christlichen GemeindeGemeinde behalten werde.

Auß dass aber diese Ausschließung vom Brauch der Sakramente nicht in Missbrauch und Unordnung gerate, wie im Papsttum geschehen, soll darinnen solche Ordnung und Maß, wie von Christo und S. Paulo fürgeschrieben ist, gehalten werden und vor allen Dingen, dass sie nicht in eines oder etlichen Kirchendiener oder anderer Personen macht, sondern bei einer ganzen christlichen Gemeinde stehe und ihr die Kirchendiener so wohl als das geringste Glied der Kirchen nunterworfen seien, denn so ein jeder Prädikant in Bann tun sollte seines Gefallens, wen er wollte, dies wäre nicht der von Christo eingesetzt, sondern vom Antichristen erdachte Bann.
Derhalben an jedem Ort nach Gelegenheit und Notdurft desselben etliche ehrbare und gottesfürchtige Männer aus der Gemeinde sollen verordenet werden, welche von Wegen und in Namen der ganzen Gemeinde neben den Kirchendienern solche Personen, die entweder mit gefährlichen Irrtümern des Glaubens oder mit ihrem Leben ärgerlich sind: Als Hurer, Geizige, Abgöttische, Lästerer, Trunkenbolde oder sonst die unoderntlichen Wandel führen, zum ersten, andern und dritten Mal nach Gelegenheit der Sachen zur Besserung treulich und ernstlich vermahnen und so sie sich dann nicht kehren mit Verbietung der Sakramente von der christlichen Gemeinde absondern bis sie Besserung verheißen und erzeigen. Und [es] soll auch wie hierin prozediert werden solle ferner Verordnung geschehen.

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