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J. Gresham Machen über höflichen Meinungsaustausch

J. Gresham Machen (1881-1937) war Professor in Princeton und am Westminster Seminary und einer der Gründerväter der Orthodox Presbyterian Church, die heuer ihr 75-jähriges Jubiläum feiert.

Er hat sich häufig geäußert zu »ökumenischem Austausch« mit anderen Kirchen. Besonders allergisch reagierte er für die unterschwellige Unterstellung, ein klares Bekenntnis zu haben sei »unökumenisch« und nur die »Liberalen« haben wirklich eine »ökumenische Weite«. Daran hat sich seit 75 Jahren nichts geändert. Und deshalb sind seine Kommentare immer wieder treffend.

Fakt ist, dass es in Wirklichkeit wesentlich höflicher ist, in Angelegenheiten, wo es Meinungsverschiedenheiten gibt, offen und ehrlich über diese zu reden – viel höflicher im Sinne der tiefergehenden Höflichkeit, die der »Goldenen Regel« entspricht. Ich für meinen Teil kann sagen, die Diskussionen, die mich wirklich aufregen, sind die, die damit beginnen, dass man die Antwort auf die Frage voraussetzt und dann so tut, als sei man nur auf den guten Frieden bedacht.

Ich würde mich solch einer Methode schuldig machen, würde ich beispielsweise zu einem Katholiken sagen, dass wir kirchliche Gemeinschaft pflegen können, da äußere Formen und Zeremonien wie die Messe sowie Mitgliedschaft in bestimmten Organisationen selbstverständlich nur zweitrangige Angelegenheiten sind; wenn ich sagte, dass er weiter ein guter Katholik sein kann und ich ein guter Protestant und wir uns trotzdem auf Grundlage irgendwelcher christlicher Ideale treffen könne. Sollte ich so reden, würde ich mich der krassesten Engstirnigkeit schuldig machen, denn ich würde damit zu erkennen geben, dass ich nicht das geringste Interesse daran habe, die römisch-katholische Position zu verstehen. Hätte ich das nämlich versucht, hätte ich erkannt, dass es nicht meine Aufgabe ist, eine gemeinsame Grundlage mit dem Katholiken zu suchen, sondern ihn aufzufordern, Protestant zu werden und alles aufzugeben, was ihm lieb ist.

Deshalb ist es meines Erachtens die denkbar unheilvollste Voraussetzung, wenn eine Auseinandersetzung damit beginnt, dass Einer die vertrauten Worte ausspricht: »Ich denke doch, meine Brüder, darüber sind wir uns alle einig …« und dann fortfährt damit, erbarmungslos über all das hinwegzuwalzen, was mir so sehr am Herzen liegt. Es ist viel aufrichtiger, wenn der Redner gleich zu Beginn sagt, dass er einen elenden, engstirnigen Konservativen vor sich sieht, dessen Ansichten er nun gedenkt lächerlich zu machen und zu widerlegen. Nachdem er dann fertig ist, kann vielleicht auch ich ausdrücken, dass ich ihn für genauso engstirnig halte wie er mich, und nachdem wir dann beide unsere Anliegen vorgebracht haben, können wir auseinandergehen – sicherlich nicht als Brüder (denn es ist lächerlich, dies Wort zu entleeren), aber doch zumindest als Freunde.

[aus: "The Relations Between Christians and Jews", in J. Gresham Machen Selected Shorter Writings, D. G. Hart (Hrsg.)]

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