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Johannes von Damaskus & der Bilderstreit

Johannes von Damaskus (zwischen 650-754 n. Chr.) gilt in der römisch-katholischen Kirche als einer der letzten Kirchenväter sowie in der Ostkirche und in Rom als ein Heiliger.

Er wurde bekannt durch seine Schriften, die bis in die mittelalterliche Kirche große Auswirkungen hatte. In seinen Schriften erwies er sich vor allem als Editor, der »Wahrheit«, wo immer er sie fand, zusammentrug und tradierte. Er selbst beschreibt seinen Beitrag zur Theologie folgendermaßen:

Wie eine Biene werde ich alles sammeln, das mit der Wahrheit übereinstimmt, und dabei sogar Hilfe aus den Schriften unserer Gegner entgegennehmen. … Ich biete euch nicht meine eigenen Schlussfolgerungen, sondern die, die von den hervorragendsten Theologen erarbeitet wurden, während ich sie nur gesammelt und so weit wie möglich in einer Abhandlung zusammengefasst habe.

Darüber hinaus kennt man Johannes, wenn man ihn kennt, vor allem durch seine Rolle im so genannten Byzantinischen Bilderstreit. Dieser war eine ausbrechende Streitigkeit über die Bilder- oder Ikonenverehrung. Die »Ikonoklasten« (Bilderzerstörer), unter Kaiser Leo III., beriefen sich auf das zweite Gebot um jeglichen Gebrauch von Heiligen-, Gottes- und vor allem Jesusbildern zu unterbinden. Die »Ikonodulen« (Bilderverehrer) widersprachen dem.

Interessant ist, dass die »Bilderverehrer« vor allem die Theologen, d.h. die Mönche waren, die in den Klöstern der Zeit (vor allem auf islamischem Gebiet) auch fleißig Ikone produzierten. So wurde auch Johannes zu einem Vorreiter der »Ikonodulen«.

Er berief sich auch auf das zweite Gebot, legte es jedoch so aus, dass es seit der Fleischwerdung Jesu seine Gültigkeit verloren habe. Des weiteren gelte die Anbetung und Verehrung der Ikone ja auch nicht dem Bild selbst, sondern der durch sie repräsentierten Person (Gott, Jesus, Maria, den Heiligen, etc.) Dies ist mittlerweile eine durch und durch moderne, auch evangelikale und fundamentalistische Interpretation des Bilderverbots.

Im Zweiten Konzil von Nizäa (dem so genannten 7. Ökumenischen Konzil, was von Protestantischer Seite mit Recht abgelehnt wird) wurde die Position der Ikonodulen als offizielle kirchliche Position festgelegt und damit die Praxis der Bilderverehrung legitimisiert.

Ich möchte hier nicht die Bilderfrage grundsätzlich behandeln, sondern lediglich auf eines hinweisen – die theologische Widersprüchlichkeit des Johannes von Damaskus.

Bei meiner Lektüre fiel mir auf, dass Johannes immer wieder als ein wichtiger Interpret und Verbreiter der Formulierung (»Definition«) von Chalcedon genannt wird. Das Konzil von Chalcedon war einberufen worden mit einer Hauptaufgabe: den sich ausbreitenden trinitarischen Irrlehren zu begegnen. Das Konzil fand eine klare biblische Position zur Dreieinigkeitslehre, insbesondere aber in der Frage nach dem Verhältnis zwischen menschlichem und göttlichem Wesen in der Person Jesus Christus. Man grenzte sich ab gegen die »Nestorianer« auf der einen Seite, die die beiden Wesen Christi auseinanderrissen und de facto praktisch zwei Personen behaupteten; auf der anderen Seite gegen die Eutychianer und Monophysiten, die das menschliche und das göttliche Wesen Jesu miteinander vermischten.

Hier der Text des Chalcedonense, wie es auch in der SERK bekannt wird:

Wir folgen also den heiligen Vätern und bekennen einen und denselben Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, und lehren alle einmütig, dass derselbe sei vollkommen in der Gottheit und derselbe vollkommen in der Menschheit, derselbe als wahrhaftiger Gott und als wahrhaftiger Mensch, mit einer vernünftigen Seele und einem Leib, dem Vater wesensgleich nach der Gottheit und derselbe uns wesensgleich nach der Menschheit, in jeder Hinsicht uns ähnlich, ohne die Sünde; dass er von Ewigkeit her aus dem Vater der Gottheit nach geboren wurde, aber derselbe in den letzten Tagen um unseretwillen und unseres Heiles willen aus der Jungfrau Maria, der Gottesgebärerin, der Menschheit nach.

Wir bekennen einen und denselben Christus, den Sohn, den Herrn, den Einziggeborenen, in zwei Naturen unvermischt, ungewandelt, ungetrennt und ungeschieden offenbart; keineswegs ist der Unterschied der Naturen durch die Vereinigung aufgehoben, vielmehr wird die Eigenart jeder Natur bewahrt, und beide treten zu einer Person und einer Hypostase zusammen; nicht einen in zwei Personen geteilten oder getrennten, sondern einen und denselben einziggeborenen Sohn, Gott, Wort, Herrn, Jesus Christus, so wie vorzeiten die Propheten von ihm und Christus selbst uns unterwiesen haben und wie es uns das Glaubensbekenntnis der Väter überliefert hat.

Die Konsequenzen dieser Christologie liegen auf der Hand. Wenn wir die »zwei Naturen« Christi (in Abgrenzung v.a. gegen die Nestorianer) als »ungetrennt und ungeschieden« bekennen, wie kann man dann auf der anderen Seite Wortführer der »Bilderverehrer« sein? Die Bilderverehrer sind doch gerade die, die behaupten, man könne den ewigen Gottessohn Christus nach seiner menschlichen (!) Natur abbilden, ohne damit seine göttliche Natur zu verletzten. Doch ist das nicht schon eine de facto Trennung der beiden Wesen im Sinne eines Nestorius?

Man kann nicht beides haben – eine orthodoxe, d.h. biblische Christologie im Sinne des Chalcedonense UND die Bilderverehrung der Ostkirche und Roms.

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