Blog

Kohlbrügge über Kolosser 2,10-12

… und ihr seid zur Fülle gebracht in ihm, der das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist. In ihm seid ihr auch beschnitten mit einer Beschneidung, die nicht von Menschenhand geschehen ist, durch das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünden, in der Beschneidung des Christus, da ihr mit ihm begraben seid in der Taufe. In ihm seid ihr auch mitauferweckt worden durch den Glauben an die Kraftwirkung Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat. (Kolosser 2,10-12)

Es gibt eine vorzügliche Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge über die Bedeutung der Taufe, aus Kolosser 2. Auch wenn die Predigt 150 Jahre alt ist, denke ich, man sollte heute noch in der Lage sein, mit etwas Konzentration, solch einen Text mitsamt seiner etwas archaischen Sprache zu lesen und zu verstehen. Immerhin, ist nicht die Bibel – richtig verstanden! – auch ein »etwas archaisches« Buch … (auch wenn manch moderne »dynamisch-äquivalente« Bibelübersetzung uns darüber hinwegtäuschen will, und es so klingen lässt, als wäre die Bibel der letzte neue Bestseller aus amerikanischer »Feder«!)?

Ich bin der Überzeugung, dass besagte Verse aus Kolosser 2, zusammen vielleicht nur noch mit 1. Korinther 10,2-4, die klarste Belegstelle für die Kindertaufe bilden. So haben das auch die großen reformatorischen Lehrer der Vergangenheit verstanden. Doch leider wird mit Kolosser 2 viel Schindluder getrieben – auch in der Hand von Kindertäufern!

Immer wieder wird das, was Paulus dort sagt, so verstanden als wolle Paulus das äußere (!)  Zeichen der Beschneidung mit dem äußeren (!) Zeichen der Taufe gleichsetzen. Der Knackpunkt dieser Passage ist jedoch, dass der geistliche (!) Gehalt der Beschneidung mit dem geistlichen (!) Gehalt der Taufe gleichgesetzt wird. Paulus sagt: Die Beschneidung ist »das Ablegen des fleischlichen Leibes der Sünde«! Die Bedeutung der Taufe ist das Begräbnis des alten und die Auferweckung des neuen Menschen. Ergo, Taufe greift in neutestamentlicher Sprache das auf, was Beschneidung im Alten Testament aussagte.

Ein weiteres »Problem« bei der Verständigung zwischen Vertretern der reinen Glaubenstaufe und Vertretern der reformierten Tauflehre ist, dass erstere die durch und durch biblische (!) Kategorie der Verheißung außen vor lassen. Nein, wir glauben nicht, wie Kohlbrügge das deutlich sagt, dass die Taufe aus sich selbst heraus, als äußerliches Zeichen und Siegel, diese geistliche Realität schafft und bewirkt:

Nicht als ob dies in dem Taufwasser an und für sich liege, als könnte das Wasser solche große Dinge tun, als da ist: Vergebung von Sünden schenken, dazu Gerechtigkeit des Lebens. Das Wasser tut gar nichts, und in dem Wasser steckt auch nichts von allen diesen geistlichen Gütern.

Die an die Taufe geknüpfte biblische Verheißung ist weder ein Automatismus, noch ist sie ein »leeres Zeichen« (Calvin). Wenn Gott eine Verheißung gibt, dann beabsichtigt er, durch sie kräftig unseren Glauben zu entzünden und zu stärken.

Kohlbrügge betont mehrfach den Verheißungscharakter der neutestamentlichen Taufe. So fasst er wunderschön zusammen, welch »allerlei unsichtbare Gnaden und Gaben auf uns herab triefen von dem einzigen Menschen in Gnade, Jesu Christo«…

Als ihr getauft worden seid, habt ihr die Verheißung empfangen, daß ihr mit Christi Blut und Geist von der Unreinigkeit eurer Seelen, das ist, von allen euren Sünden gewaschen seid, so gewiß ihr äußerlich mit dem Taufwasser besprengt worden.

Als ihr getauft worden seid, habt ihr die Verheißung empfangen eurer Erneuerung durch den Geist Christi; die Verheißung, daß ihr seid umgeschaffen in Christus, wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus Toten; die Verheißung, daß ihr in Christus geschaffen seid in allen guten Werken, auf daß ihr möchtet erfunden sein an seinem Tag als Solche, die darin gewandelt haben.

Als ihr getauft worden, da seid ihr mit Christus in seinen Tod und in sein Grab hineingegangen, da habt ihr in ihm den alten Menschen abgelegt, und seid sodann mit ihm aus Toten hervorgegangen und auferweckt „ein neuer Mensch“, ihm zu leben und ihm zu dienen in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit ein ewiges Leben lang.

Als wir getauft worden sind, haben wir von Gottes wegen das Zeugnis bekommen, daß Gott in Ewigkeit unser Gott und gnädiger Vater sein wird.

Als wir getauft worden sind, da hat uns das Blut Christi besprengt und gereinigt von unseren Sünden; da wurden wir durch seinen Geist umgeschaffen aus Kindern des Zornes zu Kindern Gottes, und seitdem stehen wir nicht mehr auf unseren Namen, sondern auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.

So ist uns denn die Taufe wie die Wasser der Sündflut, welche den Noah erhielten in dem Kasten: Christo; sie ist uns das rote Meer, durch welches wir hindurchkommen, errettet zu sein von dem höllischen Pharao und aus der Dienstbarkeit Ägyptens; sie ist uns die Wolke, welche uns umgibt und uns scheidet als des Herrn Volk von den Ägyptern als des Teufels Volk.

So triefen in der Taufe allerlei unsichtbare Gnaden und Gaben auf uns herab von dem einzigen Menschen in Gnade, Jesu Christo, als da sind: Waschung und Reinigung von aller unserer Unreinigkeit, Erneuerung des Geistes, ewiger Trost und Vergewisserung der göttlichen Güte über uns, – das Gestorben- und Begrabensein des alten Menschen, so daß wir ihn abgelegt haben mit allen seinen Wirkungen, und das Hervorgekommensein eines neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in allen Werken, welche gut sind, weil sie in Gott getan werden.

Seht, meine Geliebten! Das ist in kurzen Worten der Trost, den ihr aus eurer Taufe schöpfen sollt.

Welch wunderbare Einladung zum Nachdenken über die Taufe und zur Freude, wenn man denn getauft ist!

Ähnliche Beiträge:

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Kohlbrügge, Reformierte Theologie, Sakramente. Lesezeichen dauerhaft abspeichern.

Comments are closed.