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Kurzer Unterricht über Predigt und Sakramente

Caspar Olevianus, der zumindest in beratender und vorbereitender Form an der Abfassung des Heidelberger Katechismus sowie der Pfälzer Kirchenordnung beteiligt war, beschreibt in seiner Schrift »Der Gnadenbund Gottes« von 1590/1593 auf sechs kleinen Seiten (im Faksimile) den Zusammenhang zwischen der Predigt des Evangeliums im Wort und in den »Bildern« der Taufe und des Abendmahls. Das Akpitelchen steht unter der Unterschrift »Kurzer Unterricht …« und ist auch hier im Kontext zu lesen.

Es fällt besonders auf, wie Olevianus – ganz schriftgemäß, im Gegensatz zu der weit verbreiteten neo-platonischen oder »schwärmerischen« Ablehnung äußerlicher Mittel (mediae) – das »Äußerliche« nicht vom »Innerlichen« abtrennt, sondern beides zusammen stehen lässt. Wieso sind wir bloß so kleingläubig heutzutage und misstrauen den von Gott eingesetzten Gnadenmitteln?

Die göttlichen Gnadenmittel sind an Gottes Verheißungswort geknüpfte sichtbare Zeichen und Siegel, bestehend aus gewöhnlichen »Mitteln« wie Brot, Wein und Wasser. Umgekehrt könnte man auch sagen, die gottgegebenen Gnadenmittel sind gewöhnliche, irdische, äußerliche Elemente und Handlungen, die zum Wort der Verheißung hinzutreten, um in uns den Glauben zu erzeugen und zu stärken.

Anbei der kurze Artikel von Olevianus.


Kurzer Unterricht von der Predigt des heiligen Evangelii und der Reichung der heiligen Sakramente, nämlich der Taufe und des heiligen Abendmahls unseres Herrn Jesu Christi

von Caspar Olevian

In der Predigt des Wortes Gottes sind zu betrachten zweierlei Prediger, zweierlei Stimmen, zweierlei Ohren.

Der äußerliche Prediger kann nicht mehr, denn daß er durch die äußerliche Stimme das Wort Gottes tue schallen in die äußerlichen Ohren des äußerlichen Menschen; kann aber nicht, dem er will, den Glauben und Besserung des Lebens ins Herz geben, wie der Apostel Paulus spricht 1. Kor. 3: So ist weder der da pflanzet, noch der da begeußet, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.

Der innerliche Prediger ist der heilige Geist, der durch sein Einsprechen dem innerlichen Menschen den Glauben ins Herz pflanzet, und dasselbige erneuert (Apg. 16). Und so er dem innerlichen Menschen die Ohren nicht öffnet, bleibt des Menschen Herz verstockt (Jer. 1; Apg. 28).

Hier ist aber zu merken:

Wiewohl die äußerliche Predigt nichts tut ohne die Wirkung des heiligen Geistes, soll sie darum nicht für unnötig geachtet werden, dieweil sie ein Mittel und Werkzeug des heiligen Geistes ist, dadurch er in seinen Auserwählten kräftig ist und den Glauben zur Seligkeit wirket. Darum auch der äußerlichen Predigt des Evangelii oftmals zugeschrieben wird, das der Wirkung des heiligen Geistes eigentlich zugehöret, als Röm. 1: »Das Evangelium ist eine Kraft Gottes zur Seligkeit Allen, die daran glauben.«

Von der heiligen Taufe

In der heiligen Taufe sind zu betrachten zweierlei Waschungen, zweierlei Prediger oder Ausspender der heiligen Taufe, zweierlei Menschen, so getauft werden.

Der äußerliche Mensch wird mit dem äußerlichen Taufwasser begossen vom äußerlichen Diener oder Prediger, welcher den heiligen Geist nicht geben kann, wie Johannes der Täufer sagt, er taufe mit Wasser, es komme aber ein Andrer nach ihm, der taufe mit dem heiligen Geist (Matth. 3).

Der innerliche Mensch wird in dem Blut Christi gewaschen durch den heiligen Geist, indem er das Herz versiegelt, daß es Vergebung seiner Sünden aus Gnaden empfangen habe von wegen des vergossenen Bluts Christi, und daß es durch den heiligen Geist je länger je mehr zum Ebenbild Gottes erneuert und wiedergeboren wird.

Erstlich ist hier zu merken, was da heißt: Wiederum geboren werden.

Wiederum geboren werden heißt nicht, wiederum in Mutterleib kommen, und also leiblich noch einmal geboren werden, wie der Nicodemus meinet nach seiner blinden Vernunft (Joh. 3), sondern es heißt, durch das bittere Leiden und Blutvergießen Christi samt der Wirkung des heiligen Geistes von unserer sündlichen Geburt entledigt und zu Kindern Gottes angenommen werden.

Zweitens: Warum die heilige Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden genannt wird (Tit. 3; Apg. 22).

Nicht darum, als sollte das äußerliche Element oder Wasser die Sünde hinnehmen, welches allein dem Blut Jesu Christi gebühret, das uns reiniget von allen unsern Sünden, wie St. Johannes (1. Joh. 1) sagt; sondern um dieser zwei Ursachen willen:

Erstlich, daß gleich wie das Wasser die äußerliche Unreinigkeit abwaschet, also wird auch die innerliche Unreinigkeit, nämlich die Sünde, hingenommen von wegen des vergossenen Blutes Jesu Christi.

Zweitens wird auch darum die Taufe die Abwaschung der Sünden und das Bad der Wiedergeburt genannt, daß die äußerliche Taufe ein gewisses Pfand und göttliches Wahrzeichen ist, daß wir so gewiß durch das Blut und Geist Christi neugeboren und Vergebung der Sünden haben, als wir mit dem äußerlichen Taufwasser getauft sind.

Vom heiligen Abendmahl

Im Abendmahl unsers Herrn Jesu Christi sind zu betrachten zweierlei Speise und Trank; zweierlei Ausspender, die die Speise und Trank darreichen; zweierlei Menschen, die diese zweierlei Speise und Trank essen und trinken.

Die irdische Speise und Trank, nämlich das sichtbare Brot und Wein, welche nicht gemein Brot und Wein sind, sondern zu einem heiligen Brauch verordnet, nämlich zum Gedächtnis des gekreuzigten Leibs und vergossenen Bluts Jesu Christi, wie der Herr Jesus Christus selbst zweimal spricht im heiligen Abendmahl: Das tut zu meinem Gedächtnis.

Die himmlische Speise und Trank ist der gekreuzigte Leib und das vergossene Blut Jesu Christi; ja, Christus Jesus, wahrer Gott und Mensch mit seinem ganzen Leiden und Sterben, das einige wahre lebendigmachende Himmelsbrot und die unvergängliche Speise des ewigen Lebens.

Der irdische Ausspender ist der Prediger, welches Amt ist, das heilige Brot brechen und es samt dem Trank dem äußerlichen Menschen darreichen zum Gedächtnis des Leibes und Blutes Jesu Christi; kann aber den Leib und Blut Christi eben so wenig im Nachtmahl geben, als er in der Predigt den Glauben und in der heiligen Taufe den heiligen Geist geben kann, welches Amt dem heiligen Geist allein zustehet (Röm. 2).

Der himmlische Ausspender ist der heilige Geist, der, zugleich in Christo Jesu im Himmel und in uns auf Erden wohnend, uns zu wahren Gliedern des Leibes Christi machet, und dieselbige Gerechtigkeit, Leben und Herrlichkeit in uns wirket, die im Haupt Christo ist (1. Kor. 12).

Der äußerliche Mensch isset und trinket mit dem irdischen Mund die irdische Speise, Brot und Wein, zum Gedächtnis des Herrn Christi. Und dieweil die Gottlosen ebensowohl als die Gläubigen den irdischen Mund zum Nachtmahl bringen, empfangen sie sowohl als diese das irdisch heilige Brot und Trank (1. Kor. 11).

Der innerliche Mensch, nämlich das gläubige Herz, isset und trinket den gekreuzigten Leib und das vergossene Blut Christi. Dieweil die Gottlosen das gläubige Herz nicht haben, können sie auch die himmlische Speise und Trank nicht empfangen, und werden also schuldig an dem Leib Christi, eben darum, daß sie ihn nicht empfangen, sondern durch ihr ungläubiges Herz ihn verstoßen und verachten (Joh. 3; 2. Kor. 6).

Erstlich ist hier zu merken, was da heißt: Den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossen Blut trinken.

Essen den Leib Christi und trinken sein Blut heißt nicht, denselben in deinen irdischen Mund nehmen und hinein schlucken (denn das wäre nach deiner blinden Vernunft geredet auf Nicodemus Art); sondern es heißt, in deinem Herzen vertrauen, daß der Herr Jesus, wahrer Gott und Mensch, dein eigen sei, welcher durch die Hingebung seines Leibes in den Tod die Ursache deines ewigen Hungers und Tods, nämlich die Sünde, von dir auf sich genommen und gar vertilget hat, und dir dagegen den heiligen Geist erworben, auf daß derselbige, in Christo und in deinem Herzen wohnend, wahre Gerechtigkeit und ewiges Leben in dir wirke, wie Christus Joh. 6 dich Essen erklärt: Die Worte, die ich rede, sind Geist und Leben.

Zweitens ist hier zu merken: Warum Christus das sichtbare Brot (und nicht etwas Unsichtbares im Brot) seinen gekreuzigten Leib, und den eingegossenen Wein sein ausgegossenes Blut nennt.

Erstlich wegen der Gleichheit, die da ist zwischen dem irdischen Brot und der himmlischen Gabe. Denn gleich wie Brot und Wein, so man die isset und trinket, den äußerlichen Menschen speisen und erhalten im zeitlichen Leben, also auch der Leib und das Blut Christi, so man mit dem Her zen darauf vertrauet, stärken und erhalten den innerlichen Menschen zu dem ewigen Leben. Wie Christus auch zuvor (Joh. 6) seinen Leib, der mit ihnen redet, ein Brot genannt hat, wiewohl er um der gesprochenen Worte willen in kein natürliches Brot verändert ward.

Zweitens nennet auch Christus das sichtbare Brot seinen gekreuzigten Leib etc. von wegen der Vergewisserung, daß er uns nämlich will versichern, daß er uns so wahrhaftig an unsern Seelen mit seinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut speise und tränke, so wir unser Vertrauen auf sein Leiden und Sterben setzen, als wir mit unserm leiblichen Mund das heilige Brot und Trank essen und trinken, bis daß er kommt (1. Kor. 11).

In Summa, daß er uns in frischer Gedächtnis hält, was er uns mit seinem Leiden und Sterben für Nutzen bringe in Ewigkeit, so wir von Herzen auf ihn vertrauen, nämlich den Nutzen, den uns Brot und Wein bringen zur Erhaltung des zeitlichen Lebens, so wir dieselbigen essen und trinken.

Um dieser Ursache willen, nämlich von wegen der Gleichheit, Versicherung und Gedächtnis, gibt der Herr Christus dem sichtbaren heiligen Brot und Wein den Namen der himmlischen Gaben, und nennt das Brot seinen Leib und den Wein sein Blut, und heißt sie essen und trinken zu seinem Gedächtnis, bis daß er kommt (1. Kor. 11).

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