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Luther über den Unterschied zwischen Person und Amt

Martin Luther stellt in seiner Auslegung von Matthäus 5,5 die Frage, ob der Befehl »sanftmütig« zu sein, nicht im Grunde die Autorität von Amtsträgern – Richtern, Fürsten, der Polizei, Herren, Vätern, Ehemännern usw. aufhebe. Er antwortet mit einem klaren »Nein!«

Und die Begründung? Man muss eben unterscheiden zwischen der »natürlichen Person« und dem »Amt«.

Denn ich sonst oft gesagt habe, daß man die zwey weit unterscheiden muß, Amt und Person. Es ist viel ein anderer Mann, der da Hans, oder Martin heißt, und der da Churfürst, oder Doctor und Prediger heißt.

Denn hier werden gleich zwo unterschiedliche Personen in einem Menschen, eine, darinnen wir geschaffen und geboren sind, nach welcher wir alle unter einander gleich sind, Mann, Weib, Kind, Jung, Alt.

Aber wenn wir nun geboren sind, so kleidet und schmücket dich Gott zu einer andern Person, machet dich zu einem Kinde, mich zum Vater, einen zum Herrn, den andern zum Knecht, diesen zu einem Fürsten, jenen zum Bürger, und so fortan. 1

Sanftmütig sein müssen wir alle als »natürliche Personen«. In unseren »Ämtern« ist oft durchaus Härte und Gewalt, ja sogar das Schwert gefordert. Soldaten gehen in den Krieg, Polizisten schränken die Freiheit ein, Eltern erziehen und strafen.

Interessant ist, dass Luther hier nicht nur formale Ämter kennt, sondern auch der Schöpfung entsprechende »Rollenunterschiede« – Ehemänner und Ehefrauen, Väter und Kinder,, Knechte und Herren, usw. als »Ämter« ansieht.

Dies ist eine wichtige und hilfreiche Unterscheidung bei solchen Bibelstellen wie Epheser 5,21-33. Dort geht es um Unterordnung innerhalb der »Ämter«, die der Herr uns zugeteilt hat (als Väter, Ehemänner, Frauen, Mütter, Kinder, Knechte, Herren, etc.), nicht um Werturteile. Frauen sollen sich nicht unterordnen, weil der Mann es »verdient« hat; und Kinder sollen ihren Eltern nicht gehorchen, weil sie die besseren Menschen sind. Nein, Gott hat eine Ordnung eingeführt, in der bestimmten »Ämtern« bestimmte Funktionen und Rollen zukommen. Diese sollen wir demütig einnehmen und innerhalb der biblischen Parameter zur Ehre Gottes und zum Wohl unseres Nächsten ausfüllen.

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Fußnoten:

  1. M. Luther, Auslegung der Bergpredigt Christi, zu Mt 5,5
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