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Morgengebet aus der Pfälzer Kirchenordnung (1563)

Geliebte in dem Herrn Jesus Christus,

lasst uns vor dem Angesicht Gottes niederknien und ihn aus dem Grund unsers Herzens so anrufen:

Barmherziger, ewiger Gott und Vater,

wir danken dir, dass du uns diese Nacht so gnädig behütet und den heutigen Tag hast erleben lassen und bitten dich, du wollest uns auch diesen Tag behüten und deine Gnade erzeigen, dass wir diesen Tag in deinem Dienst zubringen, so dass wir nichts denken, reden noch tun als allein, damit wir deinem väterlichen Willen gehorchen und dir wohlgefallen, auf dass alle unsere Werke zur Ehre deines heiligen Namens und Auferbauung unsers Nächsten gereichen.

Und wie du gerade wunderbar deine Sonne auf den Erdboden scheinen lässt, unserem Leib zu leuchten, so wollest du auch durch die Klarheit deines Heiligen Geistes unsern Verstand und Herz erleuchten, damit wir geführt werden auf den rechten Weg deiner Gerechtigkeit, so dass wir in allen Dingen, an die wir uns begeben werden, diesen besondern und vornehmsten Vorsatz haben: dass wir wandlen in deiner Furcht, dir dienen und dich ehren und all unser Gut und Wolfarth allein von deinem göttlichen Segen und Benedeiung erwarten, auf dass wir uns nichts unterstehen zu tun, das dir nicht wohlgefällig sei.

Darüberhinaus verleihe uns auch deine Gnade, dass wir so arbeiten für den Leib und dies zeitliche Leben, dass wir doch allezeit vor allem anderen trachten nach deinem Reich und nach deiner Gerechtigkeit und nicht zweifeln, das andere alles werde uns auch zufallen.

Wollest uns auch behüten an Leib und Seel und stärken wider alle Anfechtung des Teufels und uns erretten aus aller Gefahr, die in dieser Welt uns begegnen mag.

Weil es aber wertlos ist, einmal gut angefangen zu haben, wenn man nicht beharrt (im Glauben), so bitten wir dich, dass du uns nicht allein an diesem Tag wollest in dein heiliges Geleit und Schutz nehmen, sondern auch unser ganzes Leben lang deine Gnade in uns täglich bestätigen und vermehren mögest, bis dass du uns zu der vollkommenen Vereinigung mit deinem Sohn Jesus Christus gebracht hast, unserm Herrn, der da ist die wahrhaftige Sonne unserer Seelen, die leuchtet Tag und Nacht ohne Aufhören und in Ewigkeit.

Gib auch deinen Segen zu der Predigt deines Evangelium. Zerstöre alle Werke des Teufels, stärke alle Kirchendiener und Obrigkeit deines Volks. Tröste alle verfolgten und betrübten Herzen.

Damit wir aber solche und andere Notdurft von dir erlangen mögen, so wollest du uns alle unsere Sünde verzeihen um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, welcher uns verheissen hat, dass du uns alles, worum wir dich in seinem Namen bitten werden, gewisslich geben werdest und uns deshalb aufgetragen hast, so zu beten:

Unser Vater im Himmel.

Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Das Brot, das wir nötig haben, gib uns heute!

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben jenen, die an uns schuldig geworden sind.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Verleihe uns auch deine gnade, daß wir nach deinem willen mögen leben, welchen du uns in deinem gesetz hast offenbaret und in diesen zehn geboten begriffen:

Ich bin der HERR, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus einem Sklavenhaus.

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Du sollst dir kein Gottesbild machen noch irgendein Abbild von etwas, was oben im Himmel, was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich nicht niederwerfen vor ihnen und ihnen nicht dienen, denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Vorfahren heimsucht an den Nachkommen bis in die dritte und vierte Generation, bei denen, die mich hassen, der aber Gnade erweist tausenden, bei denen, die mich lieben und meine Gebote halten.

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen, denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Denke an den Sabbattag und halte ihn heilig. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; 10 der siebte Tag aber ist ein Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Da darfst du keinerlei Arbeit tun, weder du selbst noch dein Sohn oder deine Tochter, dein Knecht oder deine Magd noch dein Vieh oder der Fremde bei dir in deinen Toren. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, dann aber ruhte er am siebten Tag. Darum hat der HERR den Sabbattag gesegnet und ihn geheiligt.

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst auf dem Boden, den der HERR, dein Gott, dir gibt.

Du sollst nicht töten.

Du sollst nicht ehebrechen.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht als falscher Zeuge aussagen gegen deinen Nächsten.

Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren; du sollst nicht die Frau deines Nächsten begehren oder seinen Knecht oder seine Magd oder sein Rind oder seinen Esel oder irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

Amen.

(leicht sprachlich bearbeitet von Sebastian Heck)

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