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Praktische Folgen der Rechtfertigungslehre

Eduard Böhl (1836-1903) war einer der letzten (wenn nicht der letzte) großen reformierten Theologen Deutschlands. Aus Hamburg stammend lehrte er zeitlebens an der Universität in Wien. Er war der Schwiegersohn des reformierten H. F. Kohlbrügge, Pastor der Niederländisch reformierten Gemeinde zu Wuppertal Elberfeld. Böhl lehnte die pietistisch-erweckliche Theologie, auch in ihrer reformierten Form, ab zugunsten der altreformierten Lehre.

Seine Dogmatik, die seit einigen Jahren in einer Neuauflage wieder erhältlich ist, wird als »der erste Versuch seit 1689, den reformierten Glauben […] in einem dogmatischen Gesamtentwurf mit biblischer Begründung darzustellen« bezeichnet. Sie sollte in jedem christlichen Haushalt, sicherlich aber in jedem Pastorenzimmer, als Nachschlagewerk zur Verfügung stehen.

Aber auch sein 1890 erschienenes Werk Von der Rechtfertigung durch den Glauben, auf das ich hier besonders hinweisen möchte, ist ein Manifest. In durchweg markiger und kerniger Sprache behandelt er die Lehre von der »Rechtfertigung des Gottlosen« – die »protestantische Kardinallehre« – in ihrer historischen, biblisch-theologischen und dogmatischen Entwicklung.

Was hat die Rechtfertigung des Gottlosen mit der Kirche, mit ihrer Zucht, mit ihren Ämtern zu tun?

Böhl erklärt:

Es ist kein Leben mehr in der Gemeinde, mit der Gemeinde, für die Gemeinde, weil die Gemeinde nicht mehr unter die Beurteilung der Rechtfertigung durch den Glauben gestellt wird.

Wieso das so ist, das erklärt Böhl in einem der letzten Kapitel (§11) des Buchs, das ich hier, dank der Hilfe von Andreas Gramlich, als Leseprobe anbieten kann.

In diesem Abschnitt des Buches erklärt er die Problem der Kirche seiner (!) Zeit als Konsequenzen einer praktischen Vernachlässigung der Rechtfertigungslehre. Was er jedoch über die Kirche seiner Zeit sagt, gilt noch viel mehr von der Kirche 120 Jahre später – der Kirche in unseren Tagen.

Tolle lege! Nimm und lies!

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