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Predigt und »Stille Zeit« – die richtige Balance macht’s!

Manche Christen denken, seit der Reformation – in Folge der Wiederentdeckung der Bibel für das Volk – sei die persönliche Bibellese und das eigene Bibelverständnis mindestens gleichgestellt mit der öffentlichen Predigt durch einen berufenen Prediger im Gottesdienst der Gemeinde. Vielleicht sogar noch etwas höher anzusiedeln, denn einem Prediger kann ich im Grunde nicht wirklich trauen; mir selber traue ich da schon eher!

Und so sind nun einige Generationen von Christen herangewachsen, die verlernt haben, wirklich so auf die Predigt zu hören, wie es dem Wort Gottes und der göttlichen Einsetzung dieses Mittels der Verkündigung entspricht. Sie hören, wenn überhaupt, nur mit einem Ohr zu. Grundsätzlich ist ihre Haltung:

Wenn der Prediger sagt, was ich ohnehin schon glaube, dann stimme ich ihm zu; wenn er etwas Anderes oder Neues sagt, dann widerspreche ich und glaube ihm nicht!

In Wirklichkeit sind die evangelischen (oder »evangelikalen«) Christen, die so denken, den Papst nicht losgeworden, sondern haben ihn lediglich nach innen, in ihr »Ego« verlegt.

Wozu führt so eine Haltung? Nun, sie führt dazu, dass wir niemals wirklich etwas Neues vom Wort Gottes her lernen; dass wir niemals wirklich die Stimme Gottes in der Predigt hören, die uns lehrt und korrigiert, zurechtweist und reifen lässt. Solch eine Haltung ist im Grunde tragisch, da sie wirkliches geistliches Wachstum von vornherein fast unmöglich macht.

Der Reformator Calvin trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt:

Viele treibt der Hochmut, die Aufgeblasenheit oder der Ehrgeiz dazu, dass sie sich einreden, wenn sie für sich allein die Schrift läsen und darüber nachdächten, so könnten sie genug Fortschritte machen, und dass sie auf solche Weise die öffentlichen Versammlungen missachten und die Predigt für überflüssig halten. Da aber solche Leute das heilige Band der Einheit, soviel an ihnen ist, auflösen und zerreißen, so entgeht keiner der gerechten Strafe für solche gottlose Absonderung, sondern sie begeben sich alle in den Zauberkreis von verderbenbringenden Irrtümern und greulichen Wahnvorstellungen. (J. Calvin, Institutio, IV,1,5.)

Halten wir uns doch nicht für so »geistlich«, für so »fortgeschritten« im Glauben, dass wir die Predigt nicht mehr nötig hätten; dass wir es nicht mehr nötig hätten, demütig auf das verkündigte Wort Gottes zu hören; dass wir Korrektur und Wachstum nicht mehr nötig hätten!

Denn ich sage kraft der Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass er nicht höher von sich denke, als sich zu denken gebührt, sondern dass er auf Bescheidenheit bedacht sei, wie Gott jedem einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt hat. (Römer 12,3)

Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger? (…) Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigunga, die Verkündigung aber durch Gottes Wort. (Römer 10,14-17)

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