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Predigten über den Heidelberger Katechismus

Manche hinterfragen, meist aus recht fadenscheinigen Gründen, die Praxis der Katechismuspredigt. Oft führt man das reformatorische »sola Scriptura« ins Feld gegen diese geprüfte und bewährte Praxis. Interessanterweise sind natürlich die Reformatoren (samt Luther!) die letzten gewesen, die im »sola Scriptura« einen Widerspruch zur Katechismuspredigt sahen.

Auch wenn wir in der SERK die fortlaufende Auslegungspredigt für die grundlegende Schriftauslegungspraxis halten und praktizieren, haben wir auch die gelegentliche Katechismuspredigt, v.a. an den fünf kirchlichen Gedenk- und Feiertagen (Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt). Eines Tages werden wir darüber hinaus im zweiten Gottesdienst, der am Nachmittag stattfinden wird, regelmäßig den Katechismus predigen … bzw. die Heilige Schrift predigen anhand des Katechismus … oder den Katechismus anhand der Schrift … oder … – Sie wissen, was ich meine!

Es ist eben fadenscheinig, die Katechismuspredigt mit dem Argument abzutun, es handle sich dabei um eine »rein menschliche« Äußerung. Als gäbe es überhaupt irgend eine Predigt, die »rein göttlich« wäre! Nein, wir haben diesen Schatz stets und ausschließlich in irdenen Gefäßen (vgl. 2Kor 4,7)! Und die Botschaft kommt meist sehr menschlich daher und trotzdem, oder gerade deshalb, haben wir die Verheißung Gottes, dass jenes Wort, gleichwie Regen und Schnee »vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, bis er die Erde getränkt und befruchtet und zum Grünen gebracht hat und dem Sämann Samen gegeben hat und Brot dem, der isst — genauso soll auch mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe!« (Jes 55,10-11)

Die Gretchenfrage in Bezug auf die Predigt ist nicht, ob sie »göttlich« oder »menschlich« ist, sondern vielmehr, ob sie biblisch ist. Eine Predigt kann jedoch in verschiedenen Formen biblisch sein – in Form der fortlaufenden Auslegungspredigt (die übrigens kein exegetischer Bibelkommentar oder Homilie ist, sonder in der durchaus auch Theologie getrieben wird, ja werden muss!) oder eben in Form der Katechismuspredigt, die sich natürlich stark auf biblische Aussagen stützt, die sie zusammenzieht, um theologische Aussagen zu machen.

Eine besonders gute Art der Katechismuspredigt finden wir verkörpert im Predigtdienst des Hermann Friedrich Kohlbrügge, der nach eben erwähnter Praxis sonn- und feiertags am Nachmittag gewöhnlich den Katechismus predigte.

In der wunderbaren Kohlbrügge-Schatztruhe von Andreas Gramlich Licht und Recht finden Sie zum Einstieg sechs Predigten zur ersten Frage des Katechismus.

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