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Reformierte & Lutheraner und das Abendmahl? Einige Unterschiede…

Unter dem Titel »Artikel, in denen die Evangelischen Kirchen im Handel des Abendmahls einig oder spänig sind« veröffentlichte der Heidelberger Theologieprofessor Zacharias Ursinus (einer der Hauptautoren des Heidelberger Katechismus) 1566 folgende Thesen.

Zunächst beschreibt er in 8 Thesen die Gemeinsamkeiten der »Evangelischen«, d.h. der Lutheraner und der Reformierten in Bezug auf das Mahl des Herrn:

Einig sind sie darin,

Dass das Abendmahl sowohl als die Taufe ein sichtbares, von Christo an die Verheißung der Gnaden gehängtes Pfand und Zeugnis sei; vornehmlich dazu, dass unser glaube an dieselbe Verheißung gestärket und gekräftiget werde.

  1. Dass im rechten Gebrauch des hl. Abendmahls sowohl, als in allen Sakramenten zweierlei Dinge uns von Gott gegeben und empfangen werden, die irdischen, äußerlichen, sichtbaren Wahrzeichen, als nämlich Brot und Wein, und die himmlischen, innerlichen, unsichtbaren Gaben, nämlich der wahre Leib Jesu Christi, samt allen seinen Wohltaten und himmlischen Schätzen.
  2. Dass wir im Abendmahl nicht allein des Geistes Christi, seiner Genugtuung, Gerechtigkeit, Lebenskraft und Wirkung, sondern auch der Substanz und des Wesens seines wahrhaften Leibes und Blutes teilhaftig werden, so für uns am Kreuz in den Tod gegeben und vergossen ist, und damit wahrhaftig zum ewigen Leben gespeiset werden, und solches uns Christus durch die Nießung des sichtbaren Brotes und Weins im Abendmahl anzeigen und bezeugen will.
  3. Dass das Brot und Wein nicht in das Fleisch und Blut Christi verwandelt werden, sondern wahres natürliches Brot und Wein bleiben; auch der Leib und das Blut Christi nicht in das Brot und den Wein eingeschlossen sind und derentwegen dies Brot und Wein von Christo in diesem Verstand sein Leib und Blut genannt werden, dass sein Leib und Blut nicht allein dadurch bedeutet und uns für Augen gebildet, sondern auch, wenn wir dieses Brot und Wein im rechten Brauch nießen, uns wahrhaft zur Speise und zum Tranke des ewigen Lebens von ihm selbst gegeben werden.
  4. Dass außer dem rechten Brauch die Nießung des Brots und Weins kein Sakrament sei, sondern nichts denn eine vergebliche und zum Gericht missbrauchte Zeremonie und Spektakel sei.
  5. Dass kein rechter Brauch des Abendmahls sei, ohne der, so von Christo selbst eingesetzt und geordnet ist, nämlich, dass dies Brot und Wein zu seiner Gedächtnis und Verkündigung seines Todes genossen werde.
  6. Dass Christus keine heuchlerische, sondern ein solches Gedächtnis und Verkündigung seines Tods in seinem Abendmahl gebeut und fordert, welche mit wahrem lebendigem Glauben und herzlicher Dankbarkeit sein Leiden und Sterben und alle damit uns erworbenen Wohltaten annimmt und dem Nießenden zueignet.
  7. Dass Christus allein in den Gläubigen und in denen, so nicht aus Verachtung, sondern aus Not nicht zum Abendmahl kommen mögen, ja auch in allen Gläubigen von Anbeginn der Welt eben so wohl und eben also, bis in Ewigkeit will wohnen, als in denen, so zum Abendmahl kommen.

Nicht einig ist man sich in folgenden Punkten:

  1. Der eine Teil will, man müsse die Worte Christi: „Dies ist mein Leib“ etc. nach dem Buchstaben verstehen, welches sie doch selbst nicht tun. Der andere aber, man müsse sie Sakramentsweise, nach Art aller Sakramente, nach Christi und Pauli Erklärung und gewisser Richtschnur der Artikel unseres christlichen Glaubens verstehen.
  2. Der eine Teil will, der Leib und das Blut Christi seien wesentlich In oder Bei dem Brot und Weine, und werde also gegessen, dass er mit dem Brot und Wein aus der Hand des Dieners durch den Mund der Nießenden in ihren Leib eingehe. Der andere Teil aber, dass der Leib Christi, der im ersten Abendmahl am Tische bei den Jüngern saß, jetzund nicht auf Erden, sondern droben im Himmel über und außer dieser sichtbaren Welt und Himmel sei und bleibe, bis er von dannen wieder herabkomme zum Gericht, und dennoch wir allhie auf Erden, wenn wir dies Brot mit wahrem Glauben nießen, wahrhaftiglich mit seinem Leib und Blut also gespeiset und getränket werden, dass wir nicht allein mit seinem Leiden und Blutvergießen von Sünden gereiniget, sondern auch seinem wahren, wesentlichen, menschlichen Leib durch seinen in ihm und in uns wohnenden Geist also verbunden und eingeleibet werden, dass wir aus seinem Fleisch und Beinen und mit ihm viel genauer und fester vereinigt sein, denn die Glieder unseres Leibes mit unserem Haupt und also das ewige Leben in und aus ihm haben.
  3. Dass der eine Teil will, alle die zum Abendmahl gehen und das Brot und den Wein nießen, sie seien gläubig oder ungläubig, die essen und trinken auch leiblich und mündlich das Fleisch und Blut Christi, die Gläubigen zum Leben und zu Seligkeit, die Ungläubigen zum Gericht und Tode. Der andere aber, dass die Ungläubigen wohl die äußerlichen Zeichen Brot und Wein zu ihrem Gericht missbrauchen, aber den Leib und das Blut Christi allein die Gläubigen zum ewigen Leben durch wahren Glauben und obgemelte Wirkung des Geistes Christi essen und trinken können.

    Im ersten Punkt der Unterschiede geht es um das wörtlich (lutherisch) bzw. bildhafte (reformierte oder zwinglianische) Verständnis der Worte »Dies ist mein Leib…« (Lk. 22,19; 1Kor 11,24).

    Im zweiten Punkt geht es um die Art der Gegenwart Christi in der Mahlfeier. Ist Christus »in, mit und unter« den Elementen gegenwärtig (lutherisch) oder doch vielmehr geistlich (d.h. durch den Heiligen Geist vermittelt) gegenwärtig, so dass wir mit dem auferstandenen und erhöhten Herrn Gemeinschaft haben im Mahl, ohne dass er deshalb nach seinem menschlichen Wesen allgegenwärtig sein müsste (reformiert)?

    Im dritten Punkt geht es schließlich um die Frage, ob auch ein Unwürdiger oder gar Ungläubiger, der trotz Warnung zum Tisch des Herrn kommt, tatsächlich und wirklich den Leib und das Blut des Herrn genießt (lutherisch), in diesem Falle jedoch zum Gericht, oder ob er als Unwürdiger und Ungläubiger lediglich Brot und Wein zu sich nimmt, wenn auch zu seinem eigenen Gericht (reformiert).

    Diese Unterschiede trennen nach wie vor die lutherische von der reformierten Konfession. (Ich rede hier natürlich von den wirklich konfessionellen Lutheranern und Reformierten, nicht denen, die an ihr eigenes Bekenntnis ohnehin nicht mehr glauben.) Während wir Reformierten nicht so weit gehen würden, dass wir die Lutheraner nicht als gläubige Geschwister sehen können, was umgekehrt seit der Begegnung Luthers und Zwinglis beim Marburger Religionsgespräch 1529 der Fall ist, so ist uns unser reformiertes Abendmahlsverständnis doch so wichtig, dass wir nicht einfach klein beigeben und die Bedeutung der Unterschiede herunterspielen.

    Nach unserem Verständnis kann nur die reformierte Sakramentslehre dem biblischen Bericht von der leibhaftigen Auferstehung und Himmelfahrt Christi, sowie seines Sitzens zur Rechten des Vaters gerecht werden kann.

    Unser Katechismus beschreibt dies in Frage 80 so:

    Das Abendmahl bezeugt uns, dass wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben durch das einmalige Opfer Jesu Christi, das er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat, und dass wir durch den Heiligen Geist Christus einverleibt  werden, der jetzt mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist wo er auch angebetet werden will.

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