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Sabbatlektüre: Calvin über Christus unseren Mittler

Aber noch aus einem anderen Grunde mußte der, der uns erlösen sollte, wahrer Gott und wahrer Mensch sein. Denn er sollte ja den Tod überwinden — und wer sollte das vermögen als das Leben? Er sollte die Sünde niederwerfen — und wer sollte das ausrichten als die Gerechtigkeit selber? Die Mächte der Welt, die in der Luft herrschen, sollte er stürzen — und wer sollte das können als eine Kraft, die stärker war als die Welt und alle Gewalten? Bei wem aber ist nun das Leben, bei wem die Gerechtigkeit, bei wem die Herrschaft und Gewalt über alle Himmel — als bei Gott allein? So hat sich Gott in seiner großen Barmherzigkeit selber in der Gestalt seines eingeborenen Sohnes zu unserem Erlöser gemacht, um uns von der Sünde frei zu machen.

Das zweite wesentliche Erfordernis für unsere Versöhnung mit Gott bestand darin, daß der Mensch, der durch seinen eigenen Ungehorsam verlorengegangen war, dafür vollkommenen Gehorsam leistete, dem Urteil Gottes Genüge tat und die Strafe für seine Sünde voll und ganz trug. Da trat unser Herr selber als wahrer Mensch ins Mittel, nahm die Gestalt Adams an, legte sich seinen Namen bei, um an seiner Statt dem Vater den schuldigen Gehorsam darzubringen, um unser Fleisch als Versöhnung vor Gottes gerechtes Gericht hinzustellen und in diesem Fleische die Strafe zu leiden, die wir verdient hatten! Aber er konnte den Tod ja allein als Gott nicht wirklich schmecken, konnte ihn anderseits als Mensch nicht überwinden — und deshalb vereinigte er in sich die menschliche Natur mit der göttlichen; so unterlag er nach der Schwachheit der menschlichen Natur dem Tode, um unsere Sünden zu sühnen — und so konnte er nach der Kraft der göttlichen Natur den Kampf gegen den Tod führen, um für uns den Sieg zu erringen! Wer also Christus seiner Gottheit oder auch seiner Menschheit berauben will, der mindert entweder seine Majestät und seine Ehre, oder er verdunkelt seine Güte gegen uns. Aber ebenso groß ist dann auch anderseits das Unrecht, das man dem Menschen zufügt: man erschüttert und verkehrt seinen Glauben, der nur auf diesem Grunde sicher stehen kann.

J. Calvin, Institutio, II,12,2-3

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