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Vom Nutzen des Kirchgangs…

Heinrich Bullinger formuliert den Nutzen des sonntäglichen »Kirchgangs« in dem auf ihn zurückgehenden Zweiten Helvetischen Bekenntnis, Artikel 22, sehr anschaulich folgendermaßen:

Obwohl es allen erlaubt ist, die Heiligen Schriften zu Hause für sich zu lesen und einander gegenseitig durch Belehrung im wahren Glauben zu erbauen, sind heilige Versammlungen oder kirchliche Zusammenkünfte dennoch durchaus nötig, um dem Volke das Wort Gottes ordnungsgemäß zu verkündigen, um öffentlich Bitte und Gebet zu tun, die Sakramente ordnungsgemäß zu feiern und für die Armen, für alle nötigen Aufwendungen der Kirche und zur Aufrechterhaltung der gebräuchlichen kirchlichen Tätigkeit Beiträge zu sammeln. Denn es steht fest, dass in der apostolischen Urgemeinde Versammlungen dieser Art von allen Frommen häufig besucht wurden. So oft man diese gering schätzt und sich davon absondert, verachtet man den wahren Glauben. Solche Leute müssen von den Hirten (Pfarrern) und den gottesfürchtigen Behörden dringend ermahnt werden, dass sie nicht fortfahren, sich hartnäckig abzusondern und die heiligen Versammlungen zu verlassen. Die kirchlichen Versammlungen sollen aber nicht verborgen und heimlich, sondern öffentlich und regelmäßig abgehalten werden, sofern nicht eine Verfolgung durch die Feinde Christi und seiner Kirche es hindert, dass sie öffentlich stattfinden. Denn wir wissen, wie einst die Versammlungen der ersten Gemeinden unter der Gewaltherrschaft der römischen Kaiser an verborgenen Orten stattfanden. Die Stätten, an denen die Gläubigen zusammenkommen, sollen aber würdig und der Kirche Gottes in jeder Hinsicht angemessen sein. Dafür sind geräumige Gebäude und Kirchen zu wählen. Sie sind jedoch rein zu halten von allen Dingen, die der Kirche nicht wohl anstehen. Es soll aber auch alles angeordnet werden. was zur Schicklichkeit, zum notwendigen Bedarf und zum frommen Anstand gehört, damit nichts fehle, was man für die gottesdienstlichen Handlungen und die kirchliche Tätigkeit überhaupt benötigt. Wie wir aber glauben, dass Gott nicht wohne „in Tempeln von Händen gemacht“ so wissen wir doch aus Gottes Wort und aus den heiligen Gebräuchen, dass die Gott und seiner Anbetung gewidmeten Stätten nicht gewöhnliche, sondern heilige Orte sind, und wer sich darin aufhält, soll sich ehrerbietig und geziemend benehmen, da er ja an heiligem Orte ist, vor Gottes und seiner heiligen Engel Angesicht. Daher ist von den Kirchen und Bethäusern der Christen jede Kleiderpracht, alle Hoffart und alles, was christliche Demut, Zucht und Bescheidenheit verletzt, durchaus fernzuhalten. Der wahre Schmuck der Kirchen besteht auch nicht in Elfenbein, Gold und Edelsteinen, sondern in der Einfachheit, Frömmigkeit und den Tugenden derer, die im Gotteshaus weilen. Alles aber geschehe in der Kirche anständig und ordentlich, alles diene schließlich der Erbauung. Fort also mit den fremden Sprachen in den Gottesdiensten! Alles soll vorgetragen werden in der Volkssprache, die am Orte selbst von den Leuten in der Versammlung verstanden wird.

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