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Warum singen wir Psalmen?

Der Gesang im Gottesdienst ist keine Option. Wir singen nicht, um uns zwischen anderen Elementen des Gottesdienstes einmal „aufzulockern“. Nein, der Gesang der Gemeinde ist die kollektive Stimme des Volkes Gottes durch die Jahrhunderte hindurch. Deshalb singen wir in der SERK auch keine Lieder, die letztes Jahr geschrieben wurden und nächstes Jahr wieder vergessen sein werden. Wir singen Liedgut, das uns mit den Christen verbindet, die vor uns waren, aber auch mit Christen aus anderen Sprachen, Völkern und Nationen.

Ein Liederbuch, aus dem die Gemeinde Jesu schon immer gesungen hat, das aber in der heutigen Zeit geradezu missachtet wird, ist der Psalter. Das Buch der Psalmen in der Bibel ist Gottes inspiriertes Liederbuch für die Gemeinde. Die Psalmen waren von vornherein als Gesänge konzipiert. Im Neuen Testament ist das jedoch nicht anders. In Epheser 5,19 fordert Paulus uns auf, uns gegenseitig und gemeinsam „Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder“ zuzusingen.

Kein Wunder, dass die Reformierten stets Meister waren im Psalmengesang. Um so trauriger, dass die Psalmen heute kaum noch gesungen werden. Dabei haben sie doch drei große Vorzüge:

Erstens, sie sind von Gott inspiriert und Teil der Heiligen Schrift. Wenn man sie singt, braucht man sich keine Gedanken darüber zu machen, ob der Text „biblisch“ ist.

Zweitens, die Psalmen sprechen den ganzen Menschen mit allen seinen Emotionen an. Moderne „Lobpreislieder“ sind leider oft sehr emotional einseitig, immer fröhlich und „siegreich“. Die Psalmen dringen auch in die Niederungen des Glaubenslebens vor, wo es Trauer, Wut, Zweifel und Kämpfe, ja sogar Niederlagen gibt. Wenn wir sie singen, singen wir von Emotionen, die sonst kaum irgendwelche Lieder aufgreifen.

Und drittens, die Psalmen lehren uns auch zu beten. Wenn wir die Psalmen zu Herzen nehmen und im Kopf behalten, haben wir ein Repertoire biblischer Sprache, mit der wir jederzeit zu Gott beten können.

Johannes Calvin sagt über den Psalmengesang: „[W]enn der Gesang so würdig und maßvoll geschieht, wie sich das vor Gottes und der Engel Angesicht gebührt, so verschafft er einerseits den heiligen Handlungen Würde und Anmut und dient andererseits sehr dazu, die Herzen zum wahren Eifer und zur rechten Inbrunst im Gebet zu erwecken.“

Deshalb, lasst uns die Psalmen üben und singen!

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