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Wie soll man die Erwählung richtig lehren?

Zunächst muss einmal festgehalten werden, dass sie gelehrt werden soll! Wenn das beachtet würde, wäre schon viel gewonnen. Selbst unter denen, die die Prädestinations- und die Erwählungslehre für biblisch halten, gibt es leider heute jene, die sagen, man dürfe diese Lehre gar nicht publik machen, vor allem nicht predigen.

Wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, irgendeine klare Lehre der Heiligen Schrift nicht predigen zu müssen, erschließt sichle mir nicht. Das Anliegen dieser Leute ist jedoch meist, dass man erstens die Ungläubigen nicht völlig entmutigt (wohl angesichts der realistischen »Möglichkeit«, jene könnten Verworfene und nicht Erwählte sein), und zweitens, dass man sich in endlosen Diskussionen verliert. Beide Anliegen sind natürlich berechtigt.

Sicherlich tut niemand der Erwählungslehre einen Gefallen, wenn er sie zum ewigen Zankapfel macht. Doch wo sie angezweifelt wird, müssen wir sie selbstverständlich auch verteidigen – mit allen legitimen Mitteln und genauso kampfbereit, wie wir in etwa die Lehre von der Dreieinigkeit verteidigen würden. Beide Lehren gehören doch zu dem »guten Bekenntnis«, was wir »abgelegt haben« (1Tim 6,12) und zu dem Glauben, »der den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist« und für den wir deshalb »kämpfen« sollen (Jud 3).

Die richtige Art und Weise – das steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Und sicherlich haben sich da die Reformierten häufig verfehlt. (Richtig fair, nebenbei bemerkt, ist die Rechnung allerdings nicht, da sich die »Nichtreformierten« , wenn sie diese Lehre gar nicht lehren, natürlich auch kaum in der »Art und Weise« ihrer Präsentation verfehlen können.)

Die richtige Art und Weise, die Erwählung zu lehren, ist natürlich die richtige Weise wie man auch jede andere Lehre der Schrift predigen soll. Wie bei allen Lehren der Schrift muss auch bei ihr hervorgehoben werden, in wiefern diese Lehre »Evangelium« ist, also gute Nachricht für die, die sie hören. Das erfordert aber, dass die Prädestinations- und Erwählungslehre mit einer gewissen pastoralen Haltung verkündigt wird. Dass sie eben auf verschiedene »Gewissenszustände« – die starken, stolzen, selbstsicheren Gewissen ebenso wie die wankelmütigen und die verängstigten Gewissen – auch unterschiedlich »angewandt« werden muss.

Diese Erkenntnis ist jedoch keine neue. Ich weiß keinen Reformierten, der jemals etwas anderes behauptet hat, auch wenn ihnen oft nachgesagt wird, sie würden den Leuten »die Erwählungslehre um die Ohren schlagen«, so dass am Ende nur jeder verzweifeln kann.

Dass dem nicht so ist (oder sein muss), beweist ein kleines Beispiel. Eines der klarsten kirchlichen Bekenntnisses zur biblischen Erwählungs- und Prädestinationslehre ist die so genannte »Lehrregel« der Dordrechter Synode in den Niederlanden (1618-19). Lehrregel deshalb, weil darin eben diskutiert und festgehalten wurde, wie diese Lehre »gelehrt« werden soll.

Und ich finde es bezeichnend, dass gerade dieses vermeintlich »kalte und streng prädestinatianische« oder gar »rationalistische« Bekenntnis (wenn man die fragt, die es ablehnen, obwohl sie es anscheinend nie gelesen haben!), das an sich schon voller wunderbarer Beschreibungen und Zusammenfassungen des Evangeliums ist, zu guter Letzt auch noch schließt mit einigen sehr einfühlsamen pastoralen Gedanken zur Art und Weise, wie diese Lehre an den Mann bzw. an die Frau gebracht werden soll und darf.

Hier nun ein Auszug aus dem »Schluss« der Dordrechter Lehrregel zur Frage: »Wie soll diese Lehre gelehrt werden?«


Zuletzt ermahnen wir alle Diener Gottes im Evangelium Christi, dass sie bei Durchnahme dieser Lehre in Schulen und Kirchen fromm und gottesfürchtig zu Werke gehen, sie sowohl mündlich als schriftlich zum Ruhm des göttlichen Namens, zur Heiligkeit des Lebens und zum Trost niedergeschlagener Gemüter anwenden, mit der Schrift nach der Gleichmäßigkeit des Glaubens nicht nur denken, sondern auch sprechen und sich endlich aller der Ausdrücke enthalten, welche die uns vorgeschriebenen Grenzen des richtigen Sinnes der heiligen Schriften überschreiten und den nichtswürdigen Sophisten eine gute Gelegenheit bieten könnten, die Lehre der reformierten Kirche zu verhöhnen oder zu verleumden. Der Sohn Gottes, Jesus Christus, der, zur Rechten des Vaters sitzend, den Menschen Gaben spendet, heilige uns in der Wahrheit, führe die, welche irren, zur Wahrheit, verschließe den Verleumdern der rechten Lehre den Mund und erfülle die treuen Diener seines Wortes mit dem Geist der Weisheit und Unterscheidung, damit alle ihre Reden zum Ruhm Gottes und der Erbauung der Zuhörer dienen. Amen.

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