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Zu den Formularen

Im Vorwort der bereits erwähnten Bekenntnisschriften und Formularen der Niederländisch-Reformierten Kirche in Elberfeld beschreibt der Kirchenrat selbiger Gemeinde die Herkunft ihrer Formulare. Dies erklärt, wieso man in den Niederlanden, in Deutschland sowie heute in niederländisch- und deutsch-reformierten Kirchen weltweit immer wieder dieselben Formulare auffindet.

Hier das Vorwort im Auszug:

In Betreff der Formulare ist Folgendes zu erinnern:

Die niederrheinische Agende des „Synodus generalis der reformierten Kirchen in den vereinigten Ländern Cleve, Jülich, Berg und Mark“ stimmt wörtlich überein mit der Pfälzer Liturgie von 1563 und hat außerdem aus der niederländischen Agende eine Form des Banns und der Wiederaufnahme, so wie die Formulare für Einsetzung der Geistlichen, Ältesten und Diakonen.

Die Pfälzer Liturgie und die niederländische Agende haben einen gemeinschaftlichen Ursprung. Nächst Calvin, der auch in dieser Richtung den Ton angegeben, hat Johannes a Lasco (polnisch: Lasky) den Grund zu unsern Formularen gelegt. Letzterer ward 1499 in Polen geboren, verließ 1536 sein Vaterland und wurde Superintendent der reformierten Kirchen in Ostfriesland zu Emden. Im Jahr 1550 ging er nach England und leitete die seit 1544 bestehende Gemeine ausländischer Protestanten, welche hinwiederum bei der im Jahre 1553 in England entstehenden Verfolgung großenteils nach den Niederlanden übersiedelten. Lasco kehrte nach Emden und 1556 in sein Vaterland zurück und starb 1560. Er schrieb den Entwurf zu einer Liturgie und veröffentlichte denselben in einem Buche, welches 1555 zu Frankfurt a. Main unter dem Titel erschien: Forma ac ratio tota ecclesiastici ministerii in peregrinorum, potissimum vero Germanorum ecclesia: instituta Londini in Anglia.

Schon im Jahre 1554 hatte Mart. Micronius einen Auszug aus dieser Liturgie bearbeitet, wovon Utenhovius eine niederländische Übersetzung lieferte. Aus diesen Vorarbeiten und den in Genf gebräuchlichen, von Calvin herrührenden Formularen entstand in Heidelberg 1563 zugleich mit dem Katechismus eine neue Liturgie, so daß also der Katechismus und die Liturgie die gleichen Verfasser und Redaktoren haben. Petrus Dathenus fügte den Katechismus mit samt der Pfälzer Liturgie (d. h. Gebete, Tauf-, Abendmahls- und Trauungsformular) hinter seine niederländische Psalmen- übersetzung vom Jahre 1566 an, und so wurde auch die Liturgie Gemeingut der niederländischen Kirche. Noch im Laufe des 16. Jahrhunderts kamen in den Niederlanden die Form des Bannes und die Formulare für Einsetzung der Prediger, Ältesten und Diakonen hinzu, welche dann die Pfälzer und später die niederrheinischen Gemeinen von den Niederländern entlehnt haben.

Unsere Tauf-, Abendmahls- und Trauungsformulare sind dagegen im Wesentlichen die alten pfälzischen, wobei noch zu bemerken ist, daß ein Formular der Vorbereitung zum heiligen Abendmahl weder in der ältesten Pfälzer, noch auch in der niederländischen Liturgie sich befindet. Das von dem unsrigen verschiedene Taufformular der niederländischen Liturgie ist auf der Synode zu Dordrecht im Jahre 1574 also redigiert und verkürzt worden.

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