„Die Kleine Kanzel“

Spontan oder liturgisch? – Wie unser Gottesdienst geordnet sein sollte…

Jeder Gottesdienst hat eine Liturgie. Die Frage ist nur, ob sie durchdacht ist oder nicht und ob man sie explizit macht oder nicht. Wir haben jede Woche ein Faltblatt, in dem die Liturgie, d.h. die Abfolge der einzelnen gottesdienstlichen Elemente aufgelistet ist. Wir glauben, dass das dem Besucher des Gottesdienstes hilft, den inneren »roten Faden« zu sehen und der »Logik« des Evangeliums, die jedem unserer Gottesdienste zugrunde liegt, besser folgen zu können.

Das gemeinsame Sündenbekenntnis

Die Vergebung der Sünden liegt im Zentrum des Evangeliums (Mt. 26,28; Lk. 24,47; Apg. 2,38. Ja, an manchen Stellen in der Schrift wird Vergebung der Sünden einfach gleichgesetzt mit dem Evangelium (Apg. 13,38; Eph. 1,7; Kol. 1,14). Wie sollte die Vergebung der Sünden da nicht ein zentrales Element unseres Gottesdienstes sein? Als christliche Kirche bekennen wir „die heilige allgemeine christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden“ in unserem Glaubensbekenntnis. Im „Unser Vater“ bitten wir, „…und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Aber nicht nur das, der Kirche und ihren Dienern ist auch das „Amt der Schlüssel“ gegeben. Dies bedeutet, was die Kirche auf Erden bindet, das wird im Himmel gebunden sein; und was sie auf Erden löst, das wird im Himmel gelöst sein (Mt. 16,19; vgl. HK, Sonntag 31). Das ist eine große Verantwortung!

Der Beginn des Gottesdienstes

Die Gottesdienste der SERK beginnen absichtlich nicht mit einem Menschenwort. Nach unserem Verständnis hat Gott selbst das erste und das letzte Wort im Gottesdienst. Die Gottesdienste der Gemeinde Jesu sind nicht unsere clevere Idee, sondern Bundesversammlungen, die nicht wir, sondern der Herr des Bundes einberuft. Deshalb beginnen unsere Gottesdienste formal mit der Aufforderung Gottes, dem Ruf zur Anbetung.

Das pastorale Gebet

Frage 103 des Heidelberger Katechismus sagt, wir sollen alle, »den Herrn öffentlich anrufen«. Manche bemerken, dass in unseren Gottesdiensten keine Gelegenheit eingeräumt wird, ja dass es nicht unsere Praxis ist, dass wir ein »offenes Gemeindegebet« haben. Der öffentliche Gottesdienst ist nicht der Ort und die Zeit für öffentliche Gebete von einzelnen Gemeindegliedern, Männern und Frauen. Aber wie kann ich, zusammen mit der ganzen Gemeinde, »am Feiertag« … »den Herrn öffentlich anrufen«, wenn der Pastor der Einzige ist, der laut betet?

Zu Gast am Tisch des Herrn

Die Bedeutung des Herrnmahls – was es ist – und die Praxis – wie man es darreicht und daran teilnimmt – sind untrennbar miteinander verknüpft. Nach reformiertem Verständnis ist das Mahl des Herrn weder ein „Messopfer“ (römisch-katholisch), noch ein Essen des Leibes Christi in und mit Brot und Wein mit dem „natürlichen Mund“ (lutherisch), noch ein reines Gedächtnismahl (zwinglianisch und weit verbreitet in evangelikalen Kreisen). Vielmehr glauben Reformierte, dass das Herrnmahl die Gemeinschaft mit dem erhöhten Christus durch den Heiligen Geist ist, in der wir Leib und Blut Christi „mit dem Mund des Glaubens“ zu uns nehmen und so durch seinen Leib im Glauben gestärkt werden. Dadurch, dass wir in der Mahlfeier die denkbar engste Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn haben, ist sie aber auch gleichzeitig die intensivste Form der Gemeinschaft der Gemeinde Jesu. Richtig verstanden ist die „Kommunion“ der Leib Christi auf Erden.

Die Sprache Kanaans

Im Juni 1854 hielt Hermann Friedrich Kohlbrügge in der Niederländisch-reformierten Gemeinde Wuppertal-Elberfeld eine Predigt mit dem Titel »Die Sprache Kanaan« (aus Jes. 19,18). Darin stellte er fest, dass das Volk Gottes seit jeher seine ganz eigene Sprache mitsamt einem ganz eigenen Vokabular hat. Es ist eine Sprache, so Kohlbrügge, »welche die Welt nicht versteht«, die für uns aber »so traulich und gemütlich, so wohlklingend ist und so fröhlich macht.«

Die Lesung des Gesetzes

Eine wichtige Entdeckung Martin Luthers, die wegweisend für sein Werk als Reformator wurde, ist, dass Gott uns Menschen durch die Bibel auf zwei Arten anredet.

Der Gruß Gottes

Unsere Gottesdienste beginnen mit einem »Votum« (manchmal auch »Adjutorium« genannt, von lat. für »Hilfe«). Bei uns ist dies sehr oft Psalm 124,8. Durch die trinitarische Eröffnungsformel zusammen mit dem Votum oder »Adjutorium« wird die Versammlung der Gemeinde als christlicher Gottesdienst identifiziert. Der Pastor, der »Votum« (und »Eröffnungsformel«) laut ausruft, ist an dieser Stelle der Mund der versammelten Gemeinde.

Das Amt der Schlüssel

Die Mitgliedschaft in einer institutionalisierten Kirche steht heute im Großen und Ganzen in einer Sinnkrise. Im Zeitalter des religiösen Individualismus haben wir nicht unbedingt Raum für eine verbindliche Gemeinschaft innerhalb der Kirche. Hauptsache wir haben eine „persönliche Beziehung zu Jesus“… Und doch ist dies – biblisch gesehen – eine gefährliche Haltung.

Die Kollekte im Gottesdienst

Schon wieder kommt das gelbe kleine Körbchen durch die Reihe und schon wieder fragen Sie sich vielleicht: Wieso soll ich denn auch noch bezahlen? Ist es nicht schon genug, dass ich regelmäßig in die Kirche gehe?